Polizei nimmt riesiges illegales Streaming-Netzwerk auseinander

Von Sebastian Kuhbach am 12.06.2020 11:05 Uhr
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Illegale Streaming-Portale sind in der Regel längst keine Hobbyprojekte jugendlicher Nutzer mehr. Vielmehr versprechend sie mit vergleichsweise geringen Investitionen hohe Profite und docken damit fest ans kriminelle Milieu an. Dies erklärt auch das enorme Aufgebot an Beamten und Material, mit dem die Strafverfolgungsbehörden in zahlreichen Ländern jetzt ein ganzes Netzwerk entsprechender Angebote ausgehoben haben.

Wie bei legalen Angeboten konnten Nutzer hier gegen eine kleine Abo-Gebühr auf Inhalte zugreifen, deren Umfang selbst große Streaming-Anbieter gerade so erreichen. Zehntausende Filme, Serien und sogar Pay-TV-Sender waren direkt erreichbar. Vermarktet wurde die Dienstleistung über ein Netz von mehr als tausend einzelnen Webseiten. Der Kundenstamm soll bei rund zwei Millionen Abonnenten gelegen haben. Der Umsatz wird auf 15 Millionen Euro geschätzt.

Direktvermarktung und Reseller

Koordiniert von Europol und unter Federführung der spanischen Strafverfolgungsbehörden wurde Anfang Juni nun zum Schlag gegen das Netzwerk angesetzt. Im EU-Raum wurden dabei parallel 15 Hausdurchsuchungen in verschiedenen Ländern durchgeführt. Elf Verdächtige nahm man fest. Darüber hinaus wurden aber auch Polizeieinheiten in Großbritannien, den USA und Kanada aktiv. Beamte wurden aber auch in mehreren Datenzentren vorstellig und beschlagnahmten die Systeme, die das technische Rückgrat der Angebote darstellten. In 13 europäischen Ländern wurden von den Betreibern Server vorgehalten.

Die beiden größten stillgelegten Angebote sind IPTVStack und RapidTV. Neben diesen gab es aber noch diverse andere Seiten und auch zwei Apps, mit denen direkt Abos genutzt werden konnten. Die Streaming-Dienste wurden aber auch an Betreiber anderer Plattformen weitergegeben, so dass neben den Direktvermarktungen von Abos noch Einnahmen aus einem Reseller-Geschäft kamen. Bei den Razzien konnten die Ermittler nach Angaben Europols neben Rechnern und verschiedenen anderen Beweisstücken auch größere Summen Bargeld, Autos und Luxusgüter beschlagnahmen.

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