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Satelliten-Schwarm soll Echtzeitbild der Erde liefern

Von Christian Kahle am 10.01.2014 11:13 Uhr
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Der Wunsch nach Satellitenbildern der Erde, die nahezu in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden, könnte bald erfüllt werden. Ein ganzer Schwarm von Raumfahrzeugen soll schon bald die erforderlichen Daten liefern.

Nahezu jeder Nutzer von Google Maps dürfte sich mindestens schon einmal darüber geärgert haben, dass die verfügbaren Satellitenbilder in den meisten Fällen inzwischen einige Jahre alt sind. Gleichwohl amüsierte man sich in der Debatte um den Panorama-Dienst Street View über den Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, als dieser schon von Streifenfahrten vom Bürocomputer aus nachdachte.

Nun arbeiten allerdings zwei Startups aus Kalifornien an einem Projekt, mit dem stets sehr aktuelle Bilder der Erdoberfläche aus dem Orbit geliefert werden sollen. Für die Umsetzung des Plans soll ein ganzer Schwarm von Satelliten zuständig sein.

Das Problem besteht heute darin, dass die Missionen zur Erdbeobachtung in der Regel aus einem Satelliten bestehen, der bei seinen Umläufen nach und nach die gesamte Erde erfasst. Allerdings dauert es dann jeweils längere Zeit, bis er erneut über der gleichen Stelle entlang fliegt und eine aktuellere Aufnahme nachliefert. Ein dichteres Netz an Flugkörpern war bisher schlicht zu teuer.

Das ändert sich nun allerdings mit den Fortschritten, die in den letzten Jahren im Bereich der Kleinsatelliten gemacht wurden. Diese können häufig relativ günstig bei den Starts größerer Raumfahrtmissionen mitgenommen werden, wenn die maximale Nutzlast auf der Rakete noch nicht erreicht ist. Seitdem diese Möglichkeit besteht, sind Projekte, bei denen beispielsweise an Universitäten kleinere Flugkörper konstruiert werden, stark aufgeblüht.

Zwei Unternehmen wollen den Bereich nun aber auch finanziell erobern - mit prinzipiell gleichen, aber im Detail unterschiedlichen Ansätzen. So hat das Startup Planet Labs nach einem erfolgreichen Testlauf im vergangenen Jahr nun mit dem gerade zur Internationalen Raumstation ISS gestarteten Nachschub-Transporter 28 seiner Dove-Satelliten mitgeschickt. Diese sollen in den kommenden Wochen nach und nach von der Station ausgesetzt werden.

Planet Labs: Dove-Satelliten

Jeder dieser Flugkörper wiegt lediglich fünf Kilogramm und besteht im Wesentlichen aus Solarzellen zur Energieversorgung, einer HD-Kamera sowie einem Funkmodul. Die kleine Flotte soll ab Februar beginnen, stetig Bilder mit einer Auflösung von drei bis fünf Meter Erdoberfläche pro Pixel zurückzusenden.

Im Zeitraum von 2015 bis 2017 will dann der Konkurrent Skybox Imaging 24 größere Satelliten in den Orbit bringen. Diese sind mit 100 Kilogramm zwar schwerer, wiegen aber immer noch sehr wenig im Vergleich zu einem herkömmlichen großen Objekt. Mit ihnen soll die Auflösung der regelmäßig aktualisierten Bilder auf etwa einen Meter pro Pixel steigen. Aber auch die Aufnahme von HD-Videos ist hier in Planung.

Durch die höhere Dichte an Satelliten soll es möglich werden, dass von einer bestimmten Region teilweise sogar mehrmals täglich neue Bilder angefertigt werden. Das soll es zukünftig ermöglichen, viel genauer zu verfolgen, wie sich beispielsweise die Natur oder eine Stadt in relativ kurzen Zeiträumen verändert. Aber auch bei Naturkatastrophen wollen die Betreiber so sehr schnell stetig aktuelle Bilder aus dem Orbit liefern können.
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