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Angeklagter unschuldig: Virus lud Kinderpornografie

Von Christian Kahle am 17.06.2008 10:48 Uhr
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Infektionen mit Viren und Malware können massive Folgen im Privatleben nach sich ziehen. Die Erfahrung musste Michael Fiola aus dem US-Bundesstaat Rhode Island machen. Auf dessen Dienst-Notebook fanden die zuständigen Administratoren unter anderem Kinderpornographie.

Im November 2006 erhielt Fiola für seine Tätigkeit bei der Arbeitsschutzbehörde DIA ein neues Notebook. Einige Zeit später stellte man in der IT-Abteilung fest, dass seine Rechnung für mobile Datenverbindungen viermal höher als bei anderen Mitarbeitern war. Bei einer Prüfung des Rechners wurden größere Mengen pornographischer Inhalte, darunter auch Kinderpornographie entdeckt.

Die Techniker informierten daraufhin die Polizei, die Ermittlungen aufnahm. Von seinem Arbeitgeber wurde Fiola fristlos entlassen. Im August letzten Jahres erhob die Staatsanwaltschaft offiziell Anklage.

Im Zuge des Verfahrens wandte sich die Verteidigung an Tami Loehrs, eine staatlich anerkannte Computer-Forensikerin. Diese fand heraus, dass ein Virus die installierte Sicherheits-Software ausgehebelt und sich in das System eingenistet hatte. Dieser war für den Download der Inhalte verantwortlich.

"Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass Michael Fiola für die pornographischen Inhalte auf dem Rechner verantwortlich ist", heißt es in ihrem Gutachten. das Verfahren gegen Fiola wurde nun zwar eingestellt, sein Privatleben ist in der Zwischenzeit allerdings massiv beschädigt worden.

"Sobald Kinderpornographie ins Spiel kommt, wendet sich jeder von dir ab", sagte Loehrs gegenüber dem Boston Herald. So berichtet auch Fiola, dass sich faktisch alle früheren Freunde von seiner Familie abgewandt hätten. "Unser Leben war die Hölle", sagte er.

Auch seinen Arbeitsplatz wird der Betroffene wohl nicht zurückerhalten. "Wir stehen zu unserer Entscheidung", so eine Sprecherin der Behörde. Fiola erwägt daher, juristisch gegen die DIA vorzugehen. "Sie haben unser Leben zerstört", beklagte er.
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