Chip-Industrie will selbst Impfstoff kaufen, um Mitarbeiter zu schützen

Von Roland Quandt am 28.05.2021 13:20 Uhr
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Im Herzen der Chip-Industrie geht man neue Wege, wenn es darum geht, die Produktion durch möglichst rasche Impfungen gegen Covid-19 sicherzustellen. Damit die eigenen Mitarbeiter nicht ausfallen, wollen die taiwanischen Tech-Konzerne selbst im großen Stil Impfstoffe einkaufen.

Wie der japanische Wirtschaftsdienst Nikkei Asia meldet, versuchen derzeit einige Vertragsfertiger und Chiphersteller aus Taiwan, wo unter anderem der wichtigste Apple-Partner Foxconn und der größte Prozessor-Produzent TSMC ihren Sitz haben, selbst Imfpstoffe einzukaufen.

So soll Foxconn, weltgrößter Vertragsfertiger für zahllose Markenanbieter von Elektronikgeräten, bereits Kontakt mit dem in China ansässigen BioNTech-/Pfizer-Partner und exklusiven Lieferanten für die Region um das demokratisch regierte Taiwan aufgenommen haben, um an die Vakzine des deutsch-amerikanischen Joint-Ventures zu gelangen.

Foxconns Versuche scheitern offenbar an China

Dabei gab es aber keine Fortschritte, wobei in Taiwan derzeit massive Kritik an BioNTech geübt wird, weil das Unternehmen offenbar aus Angst vor Repressalien der chinesischen Regierung eingeknickt ist und den kleinen Inselstaat nicht beliefert. Wie so oft geht es um Formulierungen in den Verträgen, die so interpretiert werden könnten, dass Taiwan ein eigenständiges Land ist. Diesem Fakt verweigert sich China seit Jahrzehnten und blockiert deshalb offenbar sogar die Impfstofflieferungen von BioNTech über dessen chinesischen Vertriebspartner.

Mindestens vier weitere taiwanische Technologiefirmen versuchen unterdessen laut dem Bericht, ihre persönlichen Verbindungen zu nutzen, um Millionen Impfdosen von Herstellern oder deren Händlern einzukaufen, sofern diese denn verfügbar sind. Sie wollen die Impfstoffe der taiwanischen Regierung zur Verfügung stellen und nur einen kleinen Teil davon für ihre Mitarbeiter oder die Mitarbeiter von Zulieferern verwenden.

Impfstoff zu 10 Prozent für Mitarbeiter, Rest für Bevölkerung

Es sei angedacht, rund 10 Prozent der auf privatwirtschaftlichem Weg eingekauften Impfdosen "intern" zu verwenden, während rund 90 Prozent an die taiwanische Regierung und damit an die breite Bevölkerung gehen sollen. Noch gebe es aber regulatorische Hürden zu überwinden, da es sich um wichtige medizinische Güter handle, die von den Behörden freigegeben werden müssen.

Darüber hinaus wollen mehrere Tech-Konzerne, darunter auch Apple-Zulieferer, Impfstoffe für ihre Mitarbeiter unter Umständen als Gruppe einkaufen. Sie wollen auch in diesem Fall möglichst viele Dosen akquirieren und diese zu einem Großteil der allgemeinen Bevölkerung zur Verfügung stellen, auch um Kritik und eine Konkurrenzsituation zu vermeiden.

Die Gründe für das Engagement der Wirtschaft in Taiwan sind simpel. Das Land entkam dem Coronavirus bisher weitestgehend, weil man sehr früh und rigoros gegen das Eindringen vorging. Durch unvorsichtige Mitarbeiter von Fluglinien kam das Virus jüngst aber doch in das Land, so dass die Regierung jetzt immer mehr Infektionen vermelden muss.

Damit die Erfolge der frühen Bekämpfung nun aber nicht hinfällig sind und das prognostizierte Wachstum von mehr als fünf Prozent nicht doch wieder schrumpft, machen die Tech-Konzerne massiven Druck. Man habe nicht drei oder sechs Monate Zeit, um auf die Impfstoffe zu warten, heißt es. Wenn die Wirtschaft nun Probleme bekomme, weil sich das Virus weiter ausbreitet, seien die dadurch entstehenden Verluste deutlich größer als die Kosten der schnellen Beschaffung von Impfstoff.
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