Corona-Ausbruch in Taiwan: Sorge vor noch stärkeren Chip-Engpässen

Von Roland Quandt am 17.05.2021 14:57 Uhr
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Der demokratisch regierte Inselstaat Taiwan entging dem Coronavirus trotz seiner geographischen Nähe zu China bisher. In den letzten Tagen wurden in der Heimat der Chipindustrie jedoch vermehrt neue Fälle gemeldet, so dass Beobachter jetzt fürchten, dass Covid-19 die Produktion noch stärker ausbremsen könnte.

Wie der taiwanische Branchendienst DigiTimes berichtet, könnten sich die bisher durch die enorme Nachfrage entstandenden Engpässe bei Prozessoren und Chips aller Art in den kommenden Wochen und Monaten weiter verschärfen, weil die Insel Taiwan derzeit ihre bisher höchste Zahl von Neuinfektionen durch das Coronavirus verzeichnet.

Taiwan hatte bereits Ende 2019 umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen und war damit überraschend erfolgreich. Unter anderem schloss das Land lange seine Grenzen und führte ein rigoroses Quarantänesystem ein. Da man Erfahrungen mit früheren Pandemien hatte, war Taiwan bisher gut durch die aktuelle Corona-Pandemie gekommen.

Taiwan beginnt Lockdown-Maßnahmen

Innerhalb weniger Tage hat sich die Zahl der Covid-19-Fälle in Taiwan jedoch rapide gesteigert, so dass allein heute bereits über 400 Neuinfektionen gemeldet werden mussten. Die Behörden haben bereits begonnen, Maßnahmen zu treffen, während viele öffentlich zugängliche Firmen und Geschäfte freiwillig schließen. Die Schulen der größten Städte werden ebenfalls geschlossen.

Bei den großen Vertragsfertigern und Chip-Produzenten besteht nun die Sorge, dass ihre ohnehin ausgelasteten Kapazitäten unter der Corona-Welle in Taiwan leiden könnten. Beim Apple-Vertragsfertiger Pegatron hat man nach der Infektion eines Mitarbeiters ein System eingeführt, bei dem zwei Drittel der Belegschaft von Zuhause aus arbeiten sollen, während ein Drittel weiter die ständig zu desinfizierenden Büros belegt.

Der auf Optiklösungen, die unter anderem auch in Smartphones von Apple und anderen Herstellern verwendet werden, spezialisierte Anbieter Largan hatte jüngst ebenfalls eine Coronavirus-Infektion eines Mitarbeiters zu verzeichnen. Bisher hielt sich die Zahl der Fälle aber bei den großen Chipherstellern und Vertragsfertigern noch in Grenzen.

Sowohl der weltweit größte Vertragsfertiger für Prozessoren aller Art TSMC, bei dem die Chips von Apple, AMD, Nvidia, Qualcomm und MediaTek produziert werden, als auch der größte Endfertiger Foxconn, der neben Apple eine Vielzahl anderer Markenanbieter zu seinen Kunden zählt, hatten bisher kaum Probleme durch infizierte Mitarbeiter. Bei TSMC gab es Anfang 2020 nur einen einzigen Fall.

Dennoch sorgen sich die Hersteller, dass ihre Hauptquartiere und die häufig auch in Taiwan betriebenen Fabriken Schließungen erleben könnten. TSMC & Co haben deshalb die ohnehin schon stringenten Schutzmaßnahmen noch einmal verschärft.

Ursprung der ersten großen Welle von inländisch übertragenen Corona-Infektionen waren offenbar verantwortungslose Mitarbeiter der staatlichen Fluggesellschaft China Airlines, die sich nicht an die vorgeschriebenen Quarantäne-Regeln für Flugpersonal hielten und unerlaubt Drittpersonen trafen.
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