Herz der Chipindustrie: Taiwan will Spezialisten nicht an China verlieren

Von Roland Quandt am 30.04.2021 11:24 Uhr
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Taiwan spielt in der Chip-Fertigung eine Hauptrolle, ist der demokratisch regierte Inselstaat doch praktisch das Zentrum der Fertigung von Pro­zessoren und anderen Chips aller Art. Jetzt wird die Chip-Industrie ange­sichts des steigenden Drucks aus China noch stärker zum Politikum.

Wie der japanische Wirtschaftsdienst Nikkei Asia berichtet, hat das Arbeitsministerium Taiwans sämtliche Arbeitgeber und Agenturen aus dem In- und Ausland angewiesen, dass sie keine Stellenausschreibungen mehr für Arbeitsplätze in der Chipindustrie in China veröffentlichen dürfen.

Taiwanische Chip-Spezialisten sollen in Taiwan bleiben

Für die Regierung ist dies eine weitere Maßnahme, mit der man versucht, die Abwanderung von Spezialisten für die Chip-Entwicklung und -Fertigung nach China zu verhindern. Das kleine Taiwan versucht sich auf diesem Weg vor entsprechenden Bemühungen des übermächtigen Nachbarn zu schützen, der seit Jahren agressiv Chip-Entwickler anzuwerben versucht.

Rekrutierungsplattformen und sogenannten Headhuntern ist es zudem untersagt, jedwede Firmen bei Versuchen zu unterstützen oder zu repräsentieren, bestimmte Personen für Arbeitsplätze in China anzuwerben. Das Ministerium will bei Verstößen gegen die neuen Vorgaben hohe Strafen verhängen. Diese sollen noch höher ausfallen, wenn es um Jobs im Bereich von Halbleitern oder der Chipindustrie im Allgemeinen geht, heißt es.

Auch die großen Vertragsfertiger sind vom Verbot betroffen

Die neuen Regelungen gelten nicht nur für chinesische Firmen, sondern auch für taiwanische Unternehmen wie den weltgrößten Vertragsfertiger Foxconn und seine Konkurrenten Pegatron, Wistron, Inventec, Quanta & Co. Die taiwanischen Vertragsfertiger bauen in Taiwan, China und diversen anderen Länder einen Großteil der weltweit vertriebenen Elektronikprodukte im Auftrag der jeweiligen Markenanbieter. Foxconn ist unter anderem als größter Fertigungspartner von Apple bekannt.

Das Arbeitsministerium Taiwans begründet den drastischen Schritt damit, dass die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China der chinesischen Halbleiterindustrie einigen Schaden zugefügt haben. Die Chinesen versuchten deshalb immer agressiver, Top-Talente aus Taiwan abzuwerben, um eine eigenständige Chipindustrie zu schaffen.

Taiwan ist außerdem seit Jahrzehnten Ziel chinesischer Agression, wobei das Säbelrasseln zuletzt sogar noch lauter wurde. China betrachtet Taiwan, das seit der Mitte des letzten Jahrhunderts eigenständig ist und demokratisch regiert wird, schon immer als "abtrünnige Provinz" und beansprucht das Land als Teil Chinas.

Zuletzt hatten unter anderem die chinesischen Smartphone-Hersteller Oppo und Xiaomi verstärkt taiwanische Mitarbeiter abgeworben, um eigene Prozessoren und Plattformen für ihre Geräte zu entwickeln. Diese kamen unter anderem vom weltgrößten Hersteller von ARM-Prozessoren, dem taiwanischen Anbieter MediaTek. Mit TSMC stammt zudem der weltgrößte Vertragsfertiger für Halbleiterprodukte aus Taiwan.
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