Klischee falsch: Schlaue Kriminelle haben Bitcoin praktisch nie genutzt

Von John Woll am 15.04.2021 17:47 Uhr
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Bitcoin heftet der Ruf an, kriminellen Machenschaften Tür und Tor zu öffnen. Jetzt stemmt sich ein schwergewichtiger Experte gegen dieses weit verbreitete Bild. Der Anteil der illegalen Nutzung der Währung sei gering, die Blockchain helfe eher bei der Verbrechensbekämpfung.

Von wegen Schmuddel-Münze: Kaum illegale Geschäfte mit Bitcoin

Seit den ersten Tagen werden Kryptowährungen mit illegalen Aktivitäten in Verbindung gebracht - auch wegen spektakulärer Entwicklungen wie dem illegalen Handelsplatz Silk Road. Doch wie steht es wirklich um den Anteil der verbotenen Aktivitäten, die im Zusammenhang mit Bitcoin stehen? Diese Frage will der ehemalige CIA-Vize-Chef Michael Morell jetzt in einem Papier (via Golem) unter der Überschrift "Eine Analyse der Verwendung von Bitcoin in der illegalen Finanzierung" beantworten.

Bitcoin: Anteil illegaler Transaktionen
Silk Road hat wohl großen Anteil am schlechten Ruf

Morell will hier nach ausführlicher Analyse und im Austausch mit führenden Branchenexperten klar zwei Schlussfolgerungen ziehen können: Für den weit verbreiteten Glauben, dass es im Bitcoin-Markt "von illegalen Aktivitäten wimmelt", gäbe es in der Realität keine Anhaltspunkte - eher im Gegenteil. Morell beruft sich dabei auf Zahlen des Unternehmens CipherTrace, das sich auf die Analyse der Blockchain spezialisiert hat. Für Bitcoin schätzt man hier, "dass illegale Aktivitäten weniger als 0,5 Prozent des gesamten Transaktionsvolumens ausmachen", so Morell.

Zum Vergleich: damit stehe das Bitcoin-Netzwerk statistisch deutlich besser da, als die Gesamtwirtschaft. Schätzungen zu illegalen Aktivitäten reichen hier von 2 bis 4 Prozent des globalen BIP, die überwiegende Mehrheit dieser Geschäfte werde weiterhin mit "traditionellen Finanzintermediären und mit traditionellen Fiat-Währungen abgewickelt". Und so zieht Morell ein klares Fazit: Der Anteil der illegalen Nutzung von Bitcoin ist nicht höher als ähnliche Marktaktivität im traditionellen Bankensystem, "höchstwahrscheinlich sogar geringer".

Perfekt für Verbrecherjagd

Und auch mit einem weiteren Klischee rund um Bitcoin will Morell aufräumen. Bitcoin sei entgegen dem weitverbreiteten Glauben nur sehr wenig für anonyme Transaktionen geeignet, sondern ganz im Gegenteil ein hocheffektives Werkzeug zur Verbrechensbe­kämpfung. "Die Blockchain, auf der Bitcoin-Transaktionen aufgezeichnet werden, ist ein wenig genutztes forensisches Werkzeug das von den Strafverfolgungsbehörden und der Geheimdienstgemeinschaft genutzt werden kann, um illegale Aktivitäten zu identifizieren und zu unterbrechen", so Morell.

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