Homeoffice-Pflicht in Berlin: Firmen verfallen in Schrödinger-Argumente

Von Christian Kahle am 29.03.2021 13:16 Uhr
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Die neuen Beschlüsse zum Infektionsschutz, die jetzt in Berlin be­schlos­sen wurden, passen der dortigen Wirtschaft gar nicht. Der Regierende Bürgermeister hingegen machte klar, dass Maßnahmen nicht immer nur die Freizeit der Menschen treffen können.

In Berlin ist es laut dem gestrigen Senatsbeschluss ab Mittwoch vorgeschrieben, dass Unternehmen maximal 50 Prozent ihrer Bildschirm-Arbeitsplätze in den Firmenbüros besetzen dürfen. Für alle anderen Mitarbeiter muss dann die Möglichkeit geschaffen sein, vom Homeoffice aus zu arbeiten. Bisher gab es lediglich Appelle an die Unternehmen, das Arbeiten von zu Hause aus zu ermöglichen.

Bei der Wirtschaft kommt die neue Regelung weniger gut an. Christian Amsinck, Chef des Unternehmerverbandes Berlin-Brandenburg (UVB) erklärte gegenüber dem RBB, dass die Firmen im letzten Jahr schon viel getan hätten. Außerdem gebe es neue Zusagen der Selbstverpflichtung durch die Bundesverbände, so dass man davon ausgehen könne, dass seitens der Wirtschaft alles Machbare für den Infektionsschutz getan wird.

Firmen winden sich

Insofern sei es ein regelrechtes Miss­trauens­votum gegen die Wirt­schaft, wenn jetzt eine solche Ver­pflich­tung eingeführt wird. Wo aber das Prob­lem genau liege, wenn seitens der Unter­nehmen ohnehin schon alles in diese Rich­tung getan werde, konnte er nicht beant­worten. In der Praxis sind viele Unter­nehmen tatsäch­lich auf Homeoffice-Regelungen umgestiegen, wo es möglich ist.

Es gibt aber durchaus auch weiterhin so manche Firma, in der entsprechende Möglichkeiten nicht genutzt werden - wahrscheinlich weil man die zusätzlichen Investitionen in die IT-Ausstattung vermeiden möchte. Hier sieht der Infektionsschutz in der Regel dann eher so aus, dass bestenfalls Plexiglasscheiben zwischen den Mitarbeitern stehen, obwohl dies längst als völlig unzureichende Maßnahme bekannt ist.

Beatrice Kramm, die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer, schob hingegen den Ball in Richtung der Beschäftigten. Sie warf die Frage auf, wie die Unternehmen denn die Quote erfüllen sollten, wenn mehr als die Hälfte der Mitarbeiter es ablehnen würde, von Zuhause aus zu arbeiten. Ob es solche Fälle in der Realität gibt, ist allerdings unklar.

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