Die Modelleisenbahn war schon fast tot - jetzt ist der Corona-Boom da

Von Christian Kahle am 22.03.2021 11:57 Uhr
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Die Notwendigkeit von Kontaktbeschränkungen dauert an und selbst der größte Streaming-Katalog ist irgendwann durchforstet. Da suchen Men­schen nach Beschäftigung - und neben dem Backen kommen auch die guten alten Modellbahnen zu neuen Ehren.

Für den deutschen Traditionshersteller Märklin kam die Sache ziemlich überraschend. Normalerweise verbucht das Unternehmen im Vorweihnachtsgeschäft einen kleinen Umsatz-Peak und lebt ansonsten vor allem von altgedienten Stammkunden. Vor einem Jahr kletterten die Einnahmen im ersten Lockdown aber auf einmal und blieben selbst im Sommer, wenn eigentlich kaum jemand Modellbahn-Produkte kauft, auf hohem Niveau. Selbst bei der New York Times wurde man auf dieses Phänomen aufmerksam.

Im letzten November erzielte Märklin dann einen Umsatz, der sogar 70 Prozent über dem bereits guten Wert des Vorjahres lag. Seit einiger Zeit hat das Unternehmen zu tun, die Nachfrage bei einigen Produkten vollumfänglich bedienen zu können. Wenn es mal eine Lokomotive nicht gibt, können Kunden auch mal zu einem anderen Modell ausweichen. Schwieriger ist das schon bei den knapper werdenden Schienen. Komplett ausverkauft war zuletzt die 078-Serie, das Modell einer Dampflokomotive, die in 1960ern in Westdeutschland eingesetzt wurde.

Modelleisenbahn: Märklin ist über 160 Jahre im Geschäft
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Es hat sich viel getan

Die meisten Nutzer, die jetzt während der Pandemie die Modelleisenbahn wiederentdecken, dürften in der Kindheit bereits mit ihr zu tun gehabt haben. Aber selbst die Kenner aus früheren Zeiten dürften staunen, wie sich auch dieser Bereich weiterentwickelt hat. Denn in den Zügen stecken inzwischen Elektronik-Bauteile, die beispielsweise für diverse realistische Sounds sorgen. Und mit Steuerungsrechnern und per App auf dem Smartphone lassen sich Schienenfahrzeuge auf der Anlage gut aufeinander abgestimmt und sogar in verschiedenen Geschwindigkeiten bewegen.

Märklin stand vor über zehn Jahren bereits kurz vor dem Aus. 2009 meldete das Unternehmen Insolvenz an. 2013 stieg dann der deutsche Spielwarenkonzern Simba Dickie ein und sicherte das Überleben. Im süddeutschen Göppingen und im ungarischen Gyor produzieren heute 1170 Mitarbeiter für die traditionsreiche Marke. Und Vorstand Florian Sieber hofft, dass die Zukunft wieder etwas besser aussieht - auch wenn sich der Alltag nach der Pandemie wieder normalisiert. "Denn das ist nicht wirklich ein Hobby, dem man mal zwei Wochen nachgeht und das man dann wieder beendet", sagte er.

Siehe auch: Google unterwegs mit der Transsibirischen Eisenbahn
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