Stadia als Lachnummer: Schuld daran war wohl mieses Management

Von Witold Pryjda am 02.03.2021 16:51 Uhr
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Es ist sicherlich alles andere als ein Geheimnis, dass es bei Stadia nicht so läuft. Das Google-Projekt, das Spiele-Streaming revolutionieren wollte, kann man längst als Reinfall bezeichnen. Ein neuer Bericht beleuchtet nun, wie es dazu kam.

Stadia ist ein Flop und es ist unwahrscheinlich, dass Google den Karren noch einmal herumreißen kann. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Konzern aus dem kalifornischen Mountain View den Stecker zieht oder Stadia in Tiefschlaf versetzt - also den Dienst zwar weiterlaufen lässt, damit Nutzer gekaufte Inhalte weiterspielen können, aber ansonsten nichts Neues auf Stadia passiert.

Die Suche nach "Schuldigen" hat längst begonnen, denn Bloomberg geht bereits auf entsprechende Spurensuche. In einem Report schreibt das Wirtschaftsportal, dass Google seinen Streaming-Dienst mit Inhalten vollpacken und auch hunderte Entwickler anheuern wollte. Doch diese hatten kaum Zeit, mit der Arbeit zu beginnen, bevor sie sich wieder neue Arbeit suchen mussten.

Stadia war nicht "Google-artig"

Das Problem, so Bloomberg: "Von Anfang an war Googles Herangehensweise an Videospiele nicht sehr Google-artig." Das bedeutet: An sich startet der Konzern seine Produkte früh und im begrenzten Umfang, erst im Laufe der Zeit werden diese getestet und funktionell erweitert. Bei Stadia war das anders, Google wollte den Spieledienst mit viel Fanfare starten und eben groß herausbringen. Entsprechend veranstaltete man große Presseevents und startete eine aufwendige Werbekampagne.

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Als Stadia 2019 verfügbar war, haben Spieler das "komplette Paket erwartet und nicht das Beta-Modell", so Bloomberg. Und von da an lief alles schief. Features fehlten, es gab zu wenige Spiele und die Kunden wollten auch ein Geschäftsmodell, bei dem sie nicht einzelne Spiele kaufen müssen, sondern ein Paket nach Vorbild von Netflix oder eben Xbox Game Pass bekommen.

Kurzum: Dem Start folgte viel Enttäuschung. Google wurde sogar auf dem eigenen Spielfeld geschlagen, denn Microsoft und Amazon machten bei xCloud und Luna genau das, was man von Stadia erwartet hätte: einen vorsichtigen und graduellen Launch.

Eine Rolle spielte Stadia-Chef Phil Harrison, der sowohl bei Microsofts als auch Sonys Gaming-Sparte tätig war. Dem Bericht zufolge wollten Harrison und seine engsten Mitarbeiter aber nicht dem "traditionellen" Google-Ansatz folgen - sondern das machen, was sie gewohnt waren: klassisches Konsolen-Gaming. Bloomberg zeichnet insgesamt kein gutes Bild des Briten: "Harrison war ein prominentes Gesicht, sowohl bei PlayStation als auch bei Xbox, während ihrer schlechtesten Konsoleneinführungen - der überteuerten PlayStation 3 und der schlecht gemanagten Xbox One."

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