Nicht reparierbar: Legendäres Radioteleskop Arecibo wird abgerissen

Von Witold Pryjda am 20.11.2020 09:50 Uhr
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Im August wurde das weltberühmte Arecibo-Observatorium in Puerto Rico durch ein gerissenes Seil stark beschädigt, damals plante man aber, es zu reparieren und wieder in Betrieb zu nehmen. Doch ein zweiter Seilriss besiegelte das Schicksal der Anlage.

Nach dem massiven Schaden durch ein gerissenes Seil, das im vergangenen Sommer eine 30 Meter Schneise in den Hauptspiegel zur Folge hatte, waren die Wissenschaftler und Techniker noch zuversichtlich, die Anlage wieder in Stand zu bekommen. Doch vor knapp zwei Wochen gab es dann das Todesurteil: Denn ein weiteres (Haupt-)Seil riss und das war der Anfang vom Ende.

Einsturzgefährdet

Denn obwohl es beim zweiten Vorfall keine relevanten Beschädigungen der Schüssel oder sonstiger Teile der Anlage gab, kamen die Verantwortlichen zum Schluss, dass der Schaden zu groß ist und die Anlage stillgelegt und abgerissen werden muss. Grund ist, dass die Struktur instabil geworden ist und das Observatorium einsturzgefährdet ist (via The Verge).

Arecibo-Observatorium
Eines der letzten Bilder des Arecibo-Observatoriums (Bild: University of Central Florida)

Denn die Techniker befürchteten, dass, im Fall weiterer Seilrisse, die Plattform über dem im Durchmesser rund 300 Meter messenden Hauptspiegel herunterfallen könnte. Eine weitere Möglichkeit war es, dass einer der drei Türme einstürzen und umfallen könnte, gefährdet waren hier das Besucherzentrum und andere wichtige Gebäude.

Sicherheit geht vor

Die Verantwortlichen von der National Science Foundation (NSF) werden zwar versuchen, Teile der Anlage zu bergen, das Ende ist nach 57 Jahren aber beschlossene Sache: "Die NSF räumt der Sicherheit der Mitarbeiter, der Belegschaft des Arecibo Observatoriums und der Besucher Vorrang ein, was diese Entscheidung notwendig, wenn auch unglücklich macht", sagte NSF Director Sethuraman Panchanathan.

Panchanathan weiter: "Fast sechs Jahrzehnte lang diente das Arecibo-Observatorium als Leuchtturm für bahnbrechende Wissenschaft und dafür, wie eine Partnerschaft mit einer Community aussehen kann. Obwohl dies ein tiefgreifender Wandel ist, werden wir nach Möglichkeiten suchen, die wissenschaftliche Gemeinschaft zu unterstützen und die starke Beziehung zu den Menschen in Puerto Rico aufrechtzuerhalten." Derzeit wird ein Plan erarbeitet, wie man den Abriss sicher durchführen kann, zum Einsatz werden vermutlich Hubschrauber und Sprengstoff kommen.

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