Informatiker wettern gegen Microsoft Office 365 an deutschen Schulen

Von Witold Pryjda am 05.11.2020 12:02 Uhr
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Microsoft im öffentlichen Dienst bzw. an Schulen ist ein Thema, das Be­troffene und Bürger seit Jahren beschäftigt. Denn einerseits gibt es kaum Zweifel an der Qualität von Office & Co., andererseits sind das Miss­trau­en in Microsoft und die Hoffnungen in Open-Source nach wie vor groß.

Das Thema Open-Source bei Verwaltung und Schulen wird seit vielen Jahren heftig diskutiert. Es gab auch öffentlichkeitswirksame Umstellungen auf Open-Source-Alternativen, der sicherlich bekannteste Großversuch in diese Richtung war der Wechsel der Stadt München zu Linux. Allerdings lief dieser nicht so wie es sich Anhänger freier Software vorgestellt haben.

Zuletzt wurde auch das Thema Microsoft-Dienste und -Produkte an Schulen immer wieder diskutiert, im Wesentlichen geht es hier um das Vertrauen in den Datenschutz an einem so sensiblen Bereich wie der Schule. In die Debatte um den Einsatz von Office-Lösungen aus Redmond, also Microsoft 365 bzw. Office 365, hat sich nun die Lehrerfachgruppe in der Gesellschaft für Informatik (GI) in Baden-Württemberg zu Wort gemeldet.

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Gegen Microsoft Office 365

In einem Positionspapier (PDF; via Heise) stellen sich die IT-Lehrer gegen die Pläne des baden-württembergischen Kultusministeriums und bezeichneten diese als "großen Rückschritt". Man spricht sich für den Erhalt der Open-Source-Infrastruktur an den Schulen aus und teilt in diesem schriftlichen Statement mit, dass man die Diskussionen zu einem möglichen Umstieg auf Microsoft-Plattformen mit "großer Sorge" verfolgt.

Als Gründe werden folgende Punkte angeführt:

"Zentrum einer digitalen Schule sollte immer ein wirklich auf Lernen ausgerichtetes Lernmanagementsystem sein", schreiben die IT-Lehrer und sprechen sich hier entsprechend für die derzeit eingesetzte Open-Source-Plattform Moodle aus.

Bei den Bedenken führt man vor allem den Datenschutz an: "Bei der geplanten Einführung von MS 365 hingegen bewegt man sich auf dünnem Eis: Die Software sammelt Telemetriedaten unbekannter Art und Umfang. Der CLOUD-Act verpflichtet Microsoft, europäisches Recht zu brechen und diese Daten an US-Behörden herauszugeben; dass die Rechtsgrundlage dafür im Sommer 2020 im Zuge des Schrems-II-Urteils aber weggefallen ist, scheint niemanden zu kümmern."

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