Bann gegen YouTube-dl: Open Source lässt sich nicht einfach wegklagen

Von Christian Kahle am 27.10.2020 10:43 Uhr
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Der US-Branchenverband der Musikindustrie hat in all den Jahren offen­sicht­lich wenig vom Umgang mit dem Internet gelernt. Das zeigt sich jetzt an der Verfügung gegen die Open Source-Software YouTube-dl, die sich einfach weigert, aus dem Netz zu verschwinden.

Die RIAA dürfte vielen noch ein Begriff aus den Zeiten sein, als der Verband hartnäckig versuchte, jeden auffindbaren Nutzer von Filesharing-Netzwerken vor Gericht zu zerren. Lange war es dann ruhig geworden - doch nun tauchte die Organisation, in der die Musikunternehmen aus den USA organisiert sind, wieder auf und sorgte mit einer Verfügung dafür, dass die Projektseite von YouTube-dl, einem Download-Tool für YouTube-Inhalte, von der Code-Plattform GitHub verschwinden musste.

Die Anwälte der RIAA müssen nun allerdings lernen, dass es nicht gerade einfach ist, ein freies Software-Projekt aus der Welt zu bekommen. Denn natürlich gibt es verschiedene Entwickler, die aufgrund ihrer Beteiligung an dem Projekt den Quellcode auf ihrem lokalen System gespiegelt hatten. Wahrscheinlich waren es diese, die nun dafür sorgten, dass die Software direkt wieder auf anderen GitHub-Accounts bereitgestellt wurde.

Spieglein, Spieglein...

Zahlreiche andere User ergriffen die Chance und legten ihrerseits Mirrors an, wie aus einem Bericht von BleepingComputer hervorgeht. Inzwischen wird GitHub regelrecht mit neuen Repositories geflutet. Aktuell lassen sich problemlos um die tausend Accounts ausfindig machen, die allein auf der Code-Plattform Microsofts den YouTube-dl-Quellcode bereitstellen.

Abgesehen von der Unmöglichkeit, den Code aus dem Netz zu bekommen, zeigt der Fall aber doch ein gravierendes Problem auf: Erneut versucht die RIAA eine Software zu unterdrücken, die selbst überhaupt keinen Verstoß gegen das Copyright darstellt. Vielmehr kann das Tool erst mit schlechten Absichten zu diesem Zweck missbraucht werden. Ob das allerdings reicht, das Programm an sich gleich zu kriminalisieren, darf getrost bezweifelt werden.

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