Aufatmen: Trotz Mutation behalten Corona-Impfstoffe ihre Wirkung

Von John Woll am 09.10.2020 17:26 Uhr
10 Kommentare
Eine Mutation hatte das Spike-Protein vieler Coronaviren - ein entschei­dender Ansatzpunkt für Impfstoffe - verändert. Wissenschaftler hatten Sorge, dass damit die Bemühungen um wirksame Arzneimittel zunichte­gemacht werden. Jetzt gibt es aber Entwarnung.

Aufatmen in der Forschungsgemeinde: Impfstoffe bleiben wohl wirksam

Es ist der normale Verlauf einer Pandemie: Seit sich Corona rund um den Globus verbreitet, hat sich der RNA-Code des Virus - also die genetische Information - durch kleine Kopierfehler bei der Vervielfältigung stetig verändert. Aktuell bleibt ein überwiegender Teil dieser Muta­tionen aber ohne Folge und hat die Wirkweise des Virus nicht verändert. Rund um eine Mutation war in der Forschungsgemeinde aber durchaus große Sorge aufgekommen. Unter der Bezeichnung G614 dominiert aktuell eine Form des Virus das Infektionsgeschehen, das sich an einer für die Entwicklung von Impfstoffen entscheidenden Stelle verändert hat.

Clever gegen Corona: Stadion setzt Drohnen zum Desinfizieren ein
videoplayer
Wie Scinexx schreibt, ist bei rund 80 Prozent der aktuell an Corona erkrankten Menschen die Infektion auf G614 zurückzuführen. Eine überwältigende Mehrheit der Impfstoff-Forschung setzt aber bei Virus-Versionen an, die im Frühjahr vorherrschend waren. Das Problem: G614 weist ausgerechnet am Spike-Protein eine Mutation auf - besonders viel­versprechende Impfstoffe setzen genau hier an, um ein Eindringen des Virus in menschliche Zellen zu unterbinden. "Das hat zu Spekulationen darüber geführt, ob nun die Effizienz dieser Vakzine und Gegenmittel beeinträchtigt ist", so Alexander McAuley vom Australian Centre for Disease Preparedness und sein Team laut Scinexx.

Entwarnung dank Modellierung und Test

McAuley und sein Team können aber genau diese Befürchtung jetzt wohl zerschlagen: Ein aufwendiger Test mit Versuchstieren hatte gezeigt, dass die aktuellen Impfstoff-Kandi­daten trotz der Mutation für eine Bildung von effektiven Antikörpern gesorgt hatten. Darüber hinaus lässt auch eine Modellierung der Molekülstruktur von G614 hoffen, die aufzeigt, wo sich die Oberflächen des Proteins verändert hat. Das Ergebnis: Die Mutation hat für eine Veränderung gesorgt, die in einer tiefen Furche des Spike-Proteins liegt - ein Glücksfall. "Es ist daher nicht zu erwarten, dass dies die Antikörper-Reaktion nach einer Impfung mit D614-basierten Vakzinen schwächt", so das Resümee von McAuley.

Siehe auch:
10 Kommentare lesen & antworten
whatsapp
Jede Woche neu: Top-News per E-Mail
Verwandte Themen
Coronavirus
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2020 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies