Liebe statt Hass: LGBT-Aktivisten kapern rechten "ProudBoys"-Hashtag

Von Witold Pryjda am 05.10.2020 13:01 Uhr
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Die Proud Boys sind eine US-amerikanische ultrarechte Gruppierung bzw. Miliz, die in den vergangenen Wochen durch versuchte Selbstjustiz auf­gefallen ist. Zu Berühmtheit ist die Schlägertruppe aber gekommen, weil sie Teil der TV-Debatte von US-Präsident Trump war.

#ProudBoys wurde nach der Erwähnung und somit auch Unterstützung durch US-Präsident Donald Trump ("Stand back and stand by) zu einem gerne verwendeten Hashtag auf vor al­lem Twitter. Die "stolzen Jungs" sind aber nicht für Liebe und Toleranz bekannt, sondern für Hass, Nationalismus und Rassismus. Doch so mancher assoziierte seit jeher mit den Be­grif­fen Pride und Boys etwas anderes, nämlich schwulen Aktivismus.

#ProudBoys

Und so kam es am Wochenende auch zu einer un­ge­wöhnlichen "Umkehr" des Hashtags #Proud­Boys: Denn wer dieser Tage danach sucht, der findet dort keine grimmig starrenden Milizionäre mit "Make America Great Again"-Kap­pen, sondern vor allem Regenbogen-Bilder von sich küssenden und liebenden Männern sowie deklarierte schwule Sportler und Prominente (via derStandard).

Das vielleicht bekannteste Bild, das auf Twitter geteilt und geliked wird, stammt von einem Kon­to der kanadischen Streitkräfte, es zeigt ei­nen Soldaten, der seinen Freund oder Mann küsst.

"Schwule, die schwule Dinge tun"

Es ist nicht ganz klar, wer die Idee als erstes ge­habt hat, einer der ersten und bekanntesten Ak­ti­vis­ten der LGBT-Bewegung (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender), der dieses Kapern des Hashtags vorgeschlagen hat, war George Takei. Der Star Trek-Schauspieler schrieb Ende ver­gan­ge­ner Woche: "Was wäre, wenn Schwule sich fo­to­gra­fie­ren, wie sie miteinander rum­ma­chen oder sehr schwule Dinge tun, und sich dann mit #ProudBoys taggen. Ich wette, das würde sie ganz schön durcheinanderbringen."

Takei, der alleine auf Twitter mehr als drei Millionen Follower hat, brachte die Aktion maßgeblich ins Rollen und so kann man derzeit in den meisten sozialen Netzwerken "stolze Männer" sehen, die Liebe statt Hass im Sinn haben.
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