Amazon: Marktmacht wird mit vielen Arbeitsunfällen erkauft

Von Christian Kahle am 01.10.2020 13:07 Uhr
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Die enorme Marktmacht erkauft der Handelskonzern Amazon auch mit der Gesundheit seiner Beschäftigten. Auch die immer weiter fort­schreitende Automatisierung führt weiterhin nicht dazu, dass die große Zahl von Ar­beits­verletzungen in den Logistikzentren sinkt.



Amazon Prime Day: 7,2 Milliarden US-Dollar in 48 Stunden
Infografik Amazon Prime Day: 7,2 Milliarden US-Dollar in 48 Stunden

Laut einem Bericht des US-Magazins TechCrunch, der sich auf einen Bericht der nichtkommerziellen Nachrichten-Organisation Reveal beruft, wurden laut den internen Statistiken Amazons im ver­gan­ge­nen Jahr rund 14.000 ernste Ar­beits­un­fäl­le in den US-Niederlassungen ver­zeich­net. Als ernst gelten Vorfälle, die dazu führen, dass die Tä­tig­keit an­schlie­ßend nur ein­ge­schränkt fort­ge­führt werden kann oder der Mit­ar­bei­ter kom­plett in den Kran­ken­stand gehen muss. Auch in Deutsch­land oder Groß­bri­tan­nien kommt es immer wieder zu Un­fäl­len oder un­ter­las­se­nen Hil­fe­lei­stun­gen.

Amazon betont immer wieder, wie viel man für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen tut. In der Praxis geht der Trend aber in eine komplett andere Richtung. Mit 7,7 Ar­beits­un­fäl­len pro hundert Beschäftigte lag der Wert im vergangenen Jahr nämlich 33 Pro­zent über dem vier Jahre zuvor registrierten Wert.

Überdurchschnittliche Quoten

Doch nicht nur diese Entwicklung zeigt, dass die vermeintlichen Bemühungen nicht besonders hilfreich sind. Amazon steht auch im Vergleich zum Branchen-Durchschnitt nicht gerade gut da. In vergleichbaren Tätigkeiten über den Sektor hinweg liegt die Unfallquote bei Amazon fast doppelt so hoch wie anderswo. Aufschlüsselungen der Zahlen zeigen darüber hinaus, dass vor allem die enormen Amazon-Umsätze während der Stoßzeiten in einer Prime-Week oder im Vorweihnachtsgeschäft von vielen Mitarbeitern mit der körperlichen Unversehrtheit bezahlt wird.

In einer Stellungnahme zu den bekannt gewordenen Daten erklärte ein Konzernsprecher lediglich, dass die zuständigen Autoren bei Reveal falsch informiert seien. Man sehe im Unternehmen vielmehr eine stetige Verbesserung des Arbeitsschutzes. Die als interne Verschlusssachen gekennzeichneten Memos, auf denen der Bericht beruht, vermerken hingegen recht offen, dass man sich beispielsweise 2018 eine 20-prozentige Reduzierung der Arbeitsunfälle zum Ziel gesetzt hatte, die Quote stattdessen aber gestiegen sei.

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