Sparc: Kompakter Fusions-Reaktor soll in zehn Jahren Strom liefern

Von Christian Kahle am 30.09.2020 12:54 Uhr
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Die ersten großen Versuchs-Systeme für die Kernfusion sind noch nicht einmal annähernd fertig, da ist schon die nächste Generation im An­marsch: Mit dem Sparc soll ein wesentlich kompakteres System Energie durch die Verschmelzung von Atomkernen erzeugen.

Die Wissenschaftler hinter dem Projekt - sie stammen vor allem vom Massachusetts Ins­ti­tute of Technology (MIT) und der ausgegründeten Betreiber-Firma Commonwealth Fu­sion Sys­tems - drücken ordentlich auf die Tube. Sie wollen im kommenden Jahr mit dem Bau eines ers­ten Reaktors beginnen und diesen binnen drei bis vier Jahren fertigstellen. An­ge­sichts des­sen, dass bisherige Projekte wie ITER und Wendelstein jeweils über Jahr­zehn­te ak­tiv wa­ren, ist das eine ziemlich ambitionierte Sache.

Sparc Fusions-Reaktor
Ausschnitt aus dem SPARC-Entwurf - Autor: CFS/MIT-PSFC - CAD-Rendering von T. Henderson

Wenn alles gut läuft, würde man am liebsten bereits im kommenden Jahrzehnt Strom mit dem Sparc produzieren. Wir fokussieren uns komplett darauf, so schnell wie möglich die Fu­sions­kraft nutzbar zu machen", erklärte Bob Mumgaard, Chef von Commonwealth Fusion. Die Eile der Forscher ist dabei natürlich nicht grundlos. Denn für die Energiewende und zur Ver­mei­dung einer völligen Klimakatastrophe würde die Fusion eine wichtige Rolle spielen kön­nen, wenn sie denn nutzbar wäre.

Ambitionierter Zeitplan

Sparc ist nach den bisherigen Bauplänen sehr viel kleiner als das Milliarden-Projekt ITER. Com­mon­wealth Fusion will seinen Reaktor mit In­ves­ti­tio­nen im dreistelligen Millionen-Bereich bauen können. Das Grundkonzept bleibt al­ler­dings gleich. Auch Sparc wird ein Tokamak sein. Für die Erzeugung der extrem starken Mag­net­fel­der, in denen das Plasma festgehalten wird, will man allerdings auf Hochtemperatur-Su­pra­lei­ter set­zen, die deutlich stärkere Magnetfelder ge­ne­rie­ren können als herkömmliche Me­tall­spu­len.

Es gibt allerdings natürlich keine Garantie, dass die ganze Sache funktioniert. Physiker sind al­ler­dings durchaus von den bisher vorgelegten Forschungsarbeiten überzeugt. Vorsichtig ist man allerdings hinsichtlich der zeitlichen Planungen. Cary Forest, Physiker an der University of Wisconsin, erklärte, er wolle es hier genauso halten wie bei den Zeitplanungen, die er von sei­nen Studenten immer wieder vorgelegt bekommt: Er rechnet einfach mal mit dem Doppelten.

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