Amazon Halo: App vermisst Körper in 3D, Armband trackt die Fitness

Von Roland Quandt am 27.08.2020 17:20 Uhr
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Amazon hätte gern mehr Daten über seine Nutzer. Der weltgrößte Online-Versender hat mit Amazon Halo einen neuen Abonnement-Dienst für Fit­ness-Fans vorgestellt. Dazu gehört auch eine App, die den Körper des Nutzers scannt und ein Tracker, der Bewegungswerte erfasst.

Amazon mischt ab sofort im Markt für Fitness-Tracker und die dazugehörigen Services mit. Das Vorhaben ist ebenso ambitioniert wie kurios, denn der für seine Datensammelwut bekannte Konzern will mal eben den Körper des Nutzers in 3D erfassen. Das Halo-Armband soll außerdem umfangreiche Bewegungs- und Körperdaten erfassen, darunter Aktivität, Schlaf, Körperfett und sogar eine Analyse der Stimme des Trägers.

Amazon Halo
Amazons Tracker hat kein Display

Der Tracker selbst erinnert auf den ersten Blick stark an die zahlreichen Fitness-Tracker diverser Hersteller, kommt aber ganz ohne ein eigenes Display daher. Das Gerät erkennt unter anderem die Körpertemperatur und besitzt ein eingebautes Mikrofon, das die Stimme des Trägers erfasst und analysiert, um seine Emotionen zu erkennen. Immerhin bietet Amazon den Trägern die Möglichkeit, die Weitergabe von Daten an das Unternehmen abzulehnen und das Mikrofon zu deaktivieren.

Abo ist nicht Pflicht

Grundsätzlich muss man das zum Start für sechs Monate 65 Dollar teure Abonnement noch nicht einmal in Anspruch nehmen. In einem solchen Fall beschränken sich die Apps und der dazugehörige Tracker auf ihre Grundfunktionen, also die Erfassung von Daten über Bewegungen und Übungen. Nutzt man den Dienst jedoch, werden die Daten von diversen KI-Systemen ausgewertet.

Amazon Halo

Dies gilt auch für die Sprache. Die App liefert Aussagen darüber, wie die Stimme des Nutzers gerade klingt, so dass man besser darüber Bescheid wissen soll, wie sich die eigene Stimme gerade für andere Personen anhört. Auf diese Weise soll dem Nutzer geholfen werden, "bessere Sprachstile" und angenehmere Töne anzuschlagen, um einen besseren Umgang mit dem Gegenüber zu erzielen.

Die Sprachdaten werden angeblich ausschließlich auf dem jeweils mit dem Armband verbundenen Smartphone gespeichert, nach der Analyse gelöscht und in keinem Fall über das Internet an Amazon weitergereicht, um damit zum Beispiel KI-Systeme zu trainieren.

Noch kurioser wird es wohl nur mit einem weiteren Feature der App. Die Software soll die Kamera eines Smartphones verwenden, um damit die Form des Körpers des Nutzers regelmäßig zu erfassen, um schließlich den Prozess des Abnehmens oder zumindest das Pflegen eines gesunden Lebensstils zu erleichtern. Man fertigt dazu zunächst Fotos an, die dann von der App verarbeitet und von unnötigen Hintergrunddaten befreit werden.

Mit dem Ergebnis der Bildanalyse wird dann der Fettanteil errechnet und es entsteht ein 3D-Modell des Körpers. Damit das Ganze funktioniert, muss der Nutzer wenig, eng anliegende Kleidung tragen, denn nur so kann die Form des Körpers optimal erfasst werden. Auch in diesem Fall verspricht Amazon einen vorsichtigen Umgang mit den Daten. Die Bilder selbst bleiben auf dem jeweiligen Smartphone, wobei kurzzeitig eine Analyse der 3D-Daten über die Cloud erfolgt, bevor sie nach spätestens 12 Stunden gelöscht werden, heißt es. In jedem Fall soll kein Amazon-Mitarbeiter Zugriff darauf bekommen.
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