TikTok-Übernahme ist für Microsoft technisch kaum zu schaffen

Von John Woll am 10.08.2020 19:54 Uhr
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Die Übernahme von Teilen von TikTok durch Microsoft ist nicht nur poli­tisch brisant. Wie eine Analyse zeigt, müsste der Konzern einen sehr großen Aufwand betreiben, um technische Hürden im engen Zeitrahmen, der von US-Präsident Trump gesetzt wurde, zu überwinden.

Die technischen Hürden zur TikTok-Übernahme sind kaum zu überwinden

Präsident Trump hat Microsoft bis zum 15. September Zeit gegeben, um eine mögliche Über­nahme von Teilen TikToks unter Dach und Fach zu bringen. Neben den wirtschaftlichen Aspekten, die eine Übernahme in einem so kurzen Zeitraum sehr schwer machen, steht das Unternehmen aus Redmond aber auch vor großen technischen Hürden. Wie Reuters be­richtet, könnte der "saubere Bruch, den Trump und die Gesetzgeber sich vorstellen" mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen.

TikTok: Nutzer weltweit und in Deutschland
Infografik TikTok: Nutzer weltweit und in Deutschland

Das Problem: TikTok ist technische eine Abwandlung der nur in China verfügbaren App Douyin. Der Entwickler ByteDance soll zwar schon im Angesicht der politischen Konflikte zwischen China und den USA vor mehreren Monaten damit begonnen haben, eine "techno­logische Trennung" der Anwendungen vorzunehmen, sei damit bisher aber noch nicht weit fortgeschritten. Wie die Quelle gegenüber der Nachrichtenagentur ausführt, wird vor allem der Server-Code weiterhin zwischen den ByteDance-Produkten geteilt.

"Um einen unterbrechungsfreien TikTok-Dienst zu gewährleisten, müsste Microsoft wahr­scheinlich auf den Code von ByteDance zurückgreifen, während es den Code überprüft und überarbeitet", zitiert Reuters den Sicherheits-Experten Ryan Speers. Diese technische Abhängigkeit sei für das verantwortliche Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS), das die Übernahmen überwachen würde, aber "inakzeptabel".

Trennung wird schwer

Ein weiteres Problem: TikToks Service steht und fällt mit den Nutzerdaten, auf deren Basis das Unternehmen seine Empfehlungen für die zentrale "Für dich"-Seite vornimmt. "Algorith­men sind ohne die Daten nichts wert", sagte Jim DuBois, ein ehemaliger Chief Information Officer bei Microsoft. "Die Segmentierung der Daten für verschiedene Länder ist eine beachtliche Aufgabe", so die Einschätzung von DuBois. "Die größte Herausforderung ist die Trennung der Nutzerdaten - sowohl Inhalt als auch Daten über die Nutzer." All diese Hürden scheinen im gegebenen Zeitrahmen kaum zu überwinden. Man darf sehr gespannt sein, wie sich die Pläne zur Übernahme weiter entwickeln.

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