7nm-Verzögerung: Intels Probleme lassen TSMC-Aktie explodieren

Von Roland Quandt am 27.07.2020 15:29 Uhr
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Intel sorgte in der letzte Woche mit dem Eingeständnis für eine Überra­schung, dass man die Einführung der ersten 7-Nanometer-SoCs erst En­de 2023 starten will. Für den Vertragsfertiger TSMC brachte Intels An­kün­digung vor allem eines: einen starken Anstieg des Aktienkurses.

TSMC ist als weltweit größter Vertragsfertiger der größte Konkurrent von Intel in Sachen Fertigungstechnologien. Intel gestand nun in der letzten Woche ein, dass man deutliche Verzögerungen beim Wechsel auf die Fertigung mit nur noch sieben Nanometern in Kauf nehmen muss, nachdem es schon beim Wechsel auf 10 Nanometer alles andere als glatt lief bzw. immer noch läuft.

Wafer-Produktion bei TSMC (Quelle: TSMC)

Zwar setzen TSMC und Intel unterschiedliche Maßstäbe an, wenn es um die tatsächliche Strukturbreite der Chips geht, die man in ihren jeweiligen 7nm- und 10nm-Nodes fertigt, doch Intels Probleme kommen TSMC dennoch mehr als gelegen. Dass Intel dann auch noch ankündigte, die Verzögerungen bei der Umstellung der eigenen Produktion unter Inanspruchnahme der Dienste von Vertragsfertigern überbrücken zu wollen, war die wohl beste Nachricht für den taiwanische Vertragsfertiger.

Weil ausgerechnet TSMC als größter Konkurrent nun zum Lückenfüller und damit Rettungsanker für Intel werden könnte, reagierte die Finanzwelt entsprechend. Das Interesse an TSMC-Aktien schoss schlagartig in die Höhe und sorgte dafür, dass der Kurs an der Börse in Taipeh um das Tageslimit von 10 Prozent nach oben katapultiert wurde.

TSMC ist jetzt mehr wert als Intel

TSMCs Marktwert schnellte im Zuge des Kursanstiegs ebenfalls in die Höhe und belief sich am Freitag auf umgerechnet mehr als 340 Milliarden US-Dollar. Damit ist der vergleichsweise unscheinbare Halbleiterfertiger derzeit mehr wert als Intel, Samsung Electronics oder Tesla.

Analysten gehen davon aus, dass Intel auch auf TSMC zurückgreifen könnte, um seine neuen Prozessoren künftig innerhalb eines vertretbaren Zeitraums auf den Markt bringen zu können. Sollte sich dies als kosteneffizient erweisen, könnte der US-Konzern sein lange verfolgtes Konzept, Fertigung und Entwicklung praktisch vollständig "in House" durchzuführen, aufgeben und langfristig stärker auf externe Produktionspartner - wie eben TSMC - setzen.

Unterdessen profitierte übrigens auch Samsung von den Problemen bei Intel. Der Aktienkurs des koreanischen Elektronikgiganten, der ebenfalls als Vertragsfertiger für Halbleiterprodukte aktiv ist, legte gleichermaßen zu, allerdings mit einem Plus von rund 1,5 Prozent nur leicht.
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