Google-Mitarbeiter fordern Kündigung von Verträgen mit Polizei

Von Roland Quandt am 23.06.2020 12:29 Uhr
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Mehr als 1600 Mitarbeiter von Google und dessen Mutterkonzern Alpha­bet haben einen offenen Brief an CEO Sundar Pichai unterzeich­net, in dem sie die Einstellung der Zusammenarbeit mit Polizeibehörden in den USA for­dern. Google und Alphabet sollen Verträge mit der Polizei beenden.

In dem Schreiben, das von einer Gruppe namens "Googlers Against Racism" an Pichai ad­res­siert wurde, ist davon die Rede, dass der Umgang mit Rassismus nicht nur mit Worten ge­führt werden könne, sondern eine Abschaffung jener Strukturen voraussetzt, die ihn för­dern. Die Mitarbeiter würden schwierige, aber nötige Gespräche mit den Menschen führen, die sie umgeben, während sie von Googles bisherigem Umgang mit dem Thema extrem ent­täuscht seien.

Statt nur pauschale Forderungen zu stellen, werden in dem offenen Brief der Google-Mit­ar­bei­ter sogar konkrete Verträge genannt, die zwischen Google und bestimmten Po­li­zei­be­hör­den in den USA bestehen. So verlangen sie unter anderem das Ende der Bereit­stel­lung von Cloud-Diensten für Polizeibehörden im US-Bundesstaat New York und Arizona. Diese wurden bereits 2015 wegen illegaler Überwachung von Bürgerrechtlern verklagt oder sind an der Überwachung der mexikanischen Grenze beteiligt.

Mitarbeiter sehen Widersprüche in Googles Verhalten

Die Unterzeichner des Briefs kritisieren unter anderem, dass die Kooperation mit Po­li­zei­be­hör­den, die für ihre fragwürdigen Methoden bekannt sind, in starkem Kontrast zu den von Google-Chef Pichai und anderen Alphabet-Managern getätigten Aussagen rund um das The­ma Gleichberechtigung von Menschen verschiedener Hautfarben stehen. So hatte Google zwar hunderte Millionen für die Förderung von afroamerikanischen Unternehmern und You­Tube-Nutzern zur Verfügung gestellt, profitiert gleichzeitig aber von Einnahmen aus den Verträgen mit der Polizei.

Google und Alphabet könnten nicht gleichzeitig "Black Lives Matter" rufen und zur Kri­mi­na­li­sie­rung der Existenz von Menschen mit dunkler Haut­far­be beitragen, so die Kritiker. Eine of­fi­ziel­le Antwort des Managements auf das von mehr als 1650 Mitarbeitern unterzeichnete Schreiben an Sundar Pichai steht noch aus. In einer Stel­lung­nah­me gegenüber US-Medien lehnte ein Un­ter­neh­mens­spre­cher es aber ab, die Zu­sam­men­ar­beit mit der US-Regierung, Polizei und anderen Behörden einzustellen.

Der Konzernsprecher verwies auf die internen Ethik-Richtlinien des Unternehmens, in denen unter anderem festgelegt sei, dass Technologien aus dem Bereich der Gesichtserkennung nicht kommerziell vertrieben werden. Auch bei der Verwendung von KI-Technologie gebe es Einschränkungen, die eine Verwendung zum Zweck der Überwachung unterbinden sollen. Gleichzeitig betonte der Google-Vertreter aber auch, dass der Konzern Dienste wie Gmail, GSuite und die Google Cloud-Plattform weiterhin für Regierungen und lokale Behörden an­bie­ten werde - inklusive der Polizei.
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