Qualcomm Snapdragon 690 macht 5G-Smartphones bald echt bezahlbar

Von Roland Quandt am 17.06.2020 09:51 Uhr
Während MediaTek das untere Ende des Smartphone-Markts immer öfter mit attraktiven Chips beackert, droht Qualcomm der Verlust von Marktan­teilen. Nun setzt man dem mit dem Snapdragon 690 ein neues SoC ent­ge­gen, das noch günstigere Geräte mit integriertem 5G-Modem zulässt.

Der Qualcomm Snapdragon 690 5G, intern auch als SM6350 identifiziert, soll vor allem helfen, 5G-Unterstützung für die breite Masse zugänglich zu machen. Der Chip soll in Ländern wie Indien in Smartphones mit Preisen ab rund 150 bis 200 Euro zu haben sein und würde damit einen neuen Tiefststand bei 5G-fähigen Mobiltelefonen ermöglichen. Im Grunde würden die Kunden in vielen Fällen praktisch keinen Aufpreis gegenüber nur 4G-fähigen Geräten zahlen.

Qualcomm Snapdragon 690
Der Snapdragon 690 5G bringt einige Neuerungen in seiner Klasse

Im Snapdragon A690 stecken acht Rechenkerne, die Qualcomm als Kryo 560 bezeichnet und mit einer maximalen Taktrate von 2,0 Gigahertz laufen lässt. Zumindest die High-End-Cores basieren auf der ARM Cortex-A77-Architektur und bewegen sich damit technisch auf dem neuesten Stand. Neben einer Recheneinheit für Ki-Aufgaben und einigen anderen Zusatz-Schaltkreisen bringt der Snapdragon 690 auch eine integrierte Grafikeinheit vom Typ Adreno 619L mit, die unter anderem FHD+-Displays mit maximalen Bildwiederholraten von bis zu 120 Hertz unterstützt. Die maximale Auflösung wird nur mit QHD+ bei 60 Hertz angegeben.

5G-Modem für Sub6-Netze direkt integriert

Die eigentliche Besonderheit ist jedoch, dass Qualcomm hier erstmals in der Snapdragon 600-Reihe ein direkt integriertes 5G-Modem verwendet. Dieses bezeichnet man als Snapdragon X51 und verspricht Unterstützung für Sub-6-GHz-Netze mit bis zu 2,5 Gigabit/s im Downstream und 660 Megabit/s im Upstream per 5G, während natürlich auch LTE unterstützt wird. Mittels 5G Powersave soll das Modem beim Zugriff auf die neuen Mobilfunknetze sehr energieeffizient arbeiten können.

Darüber hinaus gilt der Snapdragon 690 auch als "WiFi-6-ready", wobei unklar ist, was genau damit gemeint ist. ac-WLAN und die anderen älteren Standards werden jedenfalls geboten und auch Bluetooth 5.1 ist mit an Bord. Hinzu kommen auch noch Quick Charge 4+ mit bis zu 27 Watt, Dual-Frequency GPS für eine hochgenaue Positionsbestimmung, NFC und die Möglichkeit, LPDDR4X-RAM mit maximal acht Gigabyte Kapazität anzusprechen.

HMD (Nokia), Motorola, LG & Co sind bereits mit an Bord

Bei den Kameras soll der neue Chip Auflösungen bis maximal 192 Megapixel bei einer einzelnen Kamera und Dual-Kamera-Videos mit 30 Frames bei Auflösungen von bis zu 32 bzw. 16 Megapixeln zulassen. Im Grunde adaptiert Qualcomm mit dem Snapdragon 690 also all das, was wir bereits vom Snapdragon 765 kennen und macht es in einem für die Smartphone-Hersteller günstigeren Paket zugänglich, indem man einige Abstriche macht.

Qualcomm Snapdragon 690
Komplettes Datenblatt des Snapdragon 690 SM6350

Qualcomm gibt an, dass die meisten Smartphones mit dem neuen Snapdragon 690 5G-SoC zu Preisen ab rund 300 Dollar vertrieben werden dürften. In Ländern wie Indien sei jedoch auch mit Produkten zu Preisen ab nur rund 150 Dollar zu rechnen, in denen der Chip seinen Dienst tut. Mittelfristig dürften solche Geräte auch in Europa Einzug halten, schließlich sind gerade die großen chinesischen Anbieter wie etwa Xiaomi auch hierzulande mit ihren Low-End-Geräten zu niedrigen Preisen aktiv.

Als erste Hersteller, die den neuen Snapdragon 690 5G noch in diesem Jahr in ersten Geräten einsetzen werden, gehören nach Angaben von Qualcomm unter anderem HMD Global (Nokia), Motorola, LG Electronics, Sharp aus Japan und TCL (Alcatel). Darüber hinaus dürfte der Chip auch bei Firmen wie Oppo und Xiaomi Verwendung finden, die schon lange enge Partner von Qualcomm sind und dessen Plattform jeweils früh einsetzen.
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