Kakerlaken und Schweinefötus an Kritiker: eBay-Mitarbeiter vor Gericht

Von Witold Pryjda am 16.06.2020 10:54 Uhr
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Es gibt Meldungen, die wie das Drehbuch eines B-Filmes klingen, doch sie haben sich tatsächlich wie die Handlung eines schlechten Horrorstreifens abgespielt. Denn aktuell stehen gleich sechs ehemalige eBay-Mitarbeiter vor Gericht, die mit ekligen Aktionen Kritiker einschüchtern wollten.

Den sechs ehemaligen Mitarbeitern der bekannten Auktions- und Handelsplattform, darunter auch Mitglieder des Security-Teams, wird vorgeworfen, mit "kreativen" bis geschmacklosen Methoden versucht zu haben, ein Ehepaar zum Verstummen zu bekommen. Dieses hat zum Tatzeitpunkt einen Newsletter zum Thema E-Commerce verlegt und geschrieben. In den Texten und Kommentaren wurde eBay immer wieder kritisiert.

Doch ein Team von teilweise hochrangigen eBay-Managern und -Mitarbeitern wollte das Paar dazu bringen, mit den negativen Berichten aufzuhören. Das machte man aber nicht etwa mit mehr oder weniger freundlichen E-Mails oder Presse-Statements. Ihre Methoden waren größtenteils schlichtweg geschmacklos, wie ein Special Agent des Bostoner Cybercrimes Squad der US-amerikanischen Bundespolizei FBI in einer beeideten Aussage ("Affidavit") erklärt. Im aktuellen Gerichtsverfahren geht es u. a. um Vorwürfe des Cyberstalking (via BBC).

Eklige und illegale Einschüchterungsversuche

In seiner eidesstattlichen Erklärung erläutert der Bundespolizist das Vorgehen des eBay-Sextetts. Diese wussten wohl von Anfang an, dass ihre Methoden alles andere als sauber waren, denn sie forderten sich untereinander auf, die gegenseitigen Nachrichten zu löschen, da "wir sonst alle gefeuert werden".

Und die Sechs hatten in dieser Einschätzung sicherlich Recht, denn ihre offenbar von Horrorfilmen inspirierten Aktionen waren tatsächlich jenseits von Gut und Böse. So haben sie auf dem Postweg dem Paar Pornografie, eine Halloween-Maske eines blutigen Schweinekopfes, Boxen voller Kakerlaken und lebender Spinnen, Grabkränze, Bücher zum Thema Umgang mit dem Verlust eines Ehepartners und einen Schweinfötus (der aber nie zugestellt wurde) geschickt.

Mehr als das: Für ihre "Operation" fuhren sie sogar zum Haus ihrer "Ziele" und planten von einem Hotel in der Nähe weitere Attacken. Die Stalker wollten später die Polizei überzeugen, dass sie selbst die Opfer sind und von dem Ehepaar belästigt und tyrannisiert werden. Die Behörden kamen der Sache aber auf die Spur und sie flogen auf.
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