Huawei: Gründer verfällt beim Thema USA in harsche Kriegsrhetorik

Von Christian Kahle am 08.06.2020 14:35 Uhr
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Beim chinesischen Telekommunikationsausrüster geht es hinsichtlich der Auseinandersetzung mit den USA intern längst nicht so sachlich zu, wie es bisher nach Außen getragen wurde. Insbesondere Firmengründer Ren Zhengfei fand zum teil harsche Worte.

"Schreitet voran, tötet und hinterlasst eine Blutspur", sagte Ren vor Mitarbeitern einer chinesischen Forschungs-Niederlassung. Die Ansprache fand bereits im Jahr 2018 statt, gelangte aber erst jetzt in Form eines Manuskripts zum Wall Street Journal, das den Inhalt von zwei Quellen bestätigt bekam. Auch wenn es natürlich nicht wörtlich gemeint ist, dürfte eine solche Sprache im Geschäftsumfeld eher ungewöhnlich sein.

Ren allerdings hat eine längere Karriere beim chinesischen Militär hinter sich und ist durchaus dafür bekannt, die entsprechende Rhetorik auch in seinem heutigen Job zu verwenden. So verglich er beispielsweise die Entscheidung der britischen Regierung, Huawei nicht vom Ausbau der 5G-Infrastrukturen auszuschließen, mit der Schlacht um Stalingrad, die im Zweiten Weltkrieg den Wendepunkt an der Ostfront und damit dem gesamten Kriegsgeschehen in Europa darstellte.

Ren sieht sich im Kriegszustand

Victor Zhang, der Huawei in Großbritannien leitet, warb außerdem um Verständnis für seinen Chef, da die fragliche Äußerung auch in einer besonderen Situation kam: Kurz zuvor hatte man in Kanada seine Tochter Meng Wanzhou verhaftet. Ihr wird seitens der USA vorgeworfen, illegale Geschäfte mit dem Iran organisiert und so gegen Sanktionsauflagen verstoßen zu haben. Seitdem gibt es einen Rechtsstreit um eine Auslieferung an die US-Justiz.

Das eigentliche Ansinnen Rens bestand auch darin, die Belegschaft auf ein generell härteres Vorgehen im Konkurrenzkampf einzuschwören. Um auf dem globalen Markt erfolgreich zu sein, müsse man ebenso rücksichtslos mit Konkurrenten umgehen, wie es beispielsweise Google tut, hieß es. Auf den "Kriegszustand", in dem sich der Konzern aufgrund der massiven Angriffe aus Amerika befinde, reagierte der Gründer, indem verschiedene Umstrukturierungen und Neuentwicklungen in die Wege geleitet wurden.

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