Apple misst bei Kunden Fieber, Datenschützer sehen Rechte verletzt

Von John Woll am 12.05.2020 17:38 Uhr
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Apple will als Hygienemaßnahme gegen Corona den Einlass in seine wie­der­eröffneten Stores von einem Fiebertest abhängig machen, das ruft jetzt aber Datenschützer auf den Plan. Diese prüfen, ob der Konzern mit dieser Praxis gegen Recht verstößt.

Wer in den Apple Store will, wird an der Tür auf Fieber kontrolliert

In Asien ist das Fiebermessen seit Beginn der Corona-Pandemie weit verbreitet: An vielen Stellen werden die Messungen durchgeführt, da eine erhöhte Körpertemperatur eines der Symp­tome für eine Infektion sein kann. Seit Montag hat Apple seine fünfzehn deutschen Laden­geschäfte wieder geöffnet, knüpft das Betreten neben Einhaltung einer Maskenpflicht und der Abstandsregelung aber auch an einen solchen Fiebertest am Eingang. Wie die FAZ schreibt, ruft das jetzt aber Datenschützer auf den Plan.

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So hat der hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch bestätigt, dass er aktuell eine Prüfung der Praxis auf Verstoß gegen Datenschutzrichtlinien hin vornimmt. Auch bei der Konferenz der 16 Datenschutzbeauftragten der Länder am Dienstag soll das Vorgehen Apples diskutiert werden. Apple nutzt für die Messung der Temperatur wie in seinen asiatischen Ladengeschäften Infrarot-Thermometer, der Fiebercheck wird dabei von Store-Mitarbeitern vor dem Einlass durchgeführt.

Ein Verbot ist wahrscheinlich

Wie heise in seinem Bericht schreibt, hat Apple in der entsprechenden Anweisung an die Stores betont, dass bei dem Vorgehen keinerlei Speicherung von Daten erfolgt. Wie Ronellen­fitsch in einem Radiointerview mit HR Info erläutert, tendiert er nach der ersten Prüfung der Sachlage dazu, die Praxis des Fieber­messens "nicht zu erlauben", für ein solches Verbot habe er auch entsprechende juristische Möglichkeiten.

Aus seiner Sicht ist das Vorgehen Apples ein zu großer Eingriff in die Privatsphäre, der Konzern könne auf andere "adäquate Maßnahmen" setzen, sei zum Gesundheitsschutz also nicht auf Temperatur-Checks angewiesen, die sowieso nur "Scheinsicherheit" bieten würden. Eine Reaktion von Apple steht zum aktuellen Zeitpunkt noch aus, diese ist wohl zu erwarten, wenn der Datenschützer ein Verbot erlassen sollte.
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