Amazon, GE & Co.: In den USA starten Streiks für Corona-Maßnahmen

Von Christian Kahle am 31.03.2020 10:22 Uhr
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In der aktuellen Situation werden Menschen, die für die Versorgung der Bevölkerung arbeiten, gern als neue Helden dargestellt. Die Lieferanten Amazons in den USA würden aber gern mehr als warme Worte bekom­men und traten nun in den Streik.

Da immer mehr Menschen zuhause bleiben, um die Infektionsketten zu unterbrechen, boomt der Online-Versandhandel. Amazon will als Marktführer allein in den USA über hun­dert­tau­send zusätzliche Mitarbeiter einstellen, um die enormen Bestellmengen bewältigen zu können. Doch auch wenn das Management immer wieder versichert, viel für den Schutz der Be­schäf­tig­ten vor Infektionen zu tun, sehen sich die Menschen schlicht nicht ausreichend geschützt.

So verlangen Amazon-Mitarbeiter in den Logistikzentren nun, dass die Einrichtungen re­gel­mä­ßig komplett geschlossen und bei ruhendem Betrieb gereinigt sowie desinfiziert wer­den. Die dafür benötigte Zeit soll für die Beschäftigten weiterhin als normale bezahlte Ar­beits­zeit gel­ten. Und natürlich würden die Leute es auch gern sehen, dass ihnen vom Ar­beit­ge­ber Schutz­ausrüstung gestellt wird, wenn sie in einer Schicht tausende Artikel an­fas­sen und in Pakete verpacken müssen, wie aus einem Bericht der Sendergruppe NPR hervorgeht.

Aus deutscher Perspektive ist es darüber hinaus ohnehin kaum nachzuvollziehen, dass Amazon in den USA es als enormes Entgegenkommen gegenüber den Mitarbeitern sieht, wenn diese bei Abwesenheit zumindest nicht ihren Arbeitsplatz verlieren. Bezahlt werden sie dann ohnehin nicht - es sei denn, die Beschäftigten sind nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert oder müssen auf behördliche Anordnung in Quarantäne. So blieben Paketpacker in einem Logistikzentrum zuhause, nachdem einer ihrer Kollegen an Covid-19 erkrankte, doch nach einigen Tagen kehrten sie zurück, da sie sich eine längere unbezahlte Auszeit einfach nicht leisten können. Auch hier wollen die Beschäftigten des Konzerns mit seinen riesigen Gewinnen mehr sehen.

Auch anderswo gibt es Proteste

Aber nicht nur bei Amazon rumort es. Auch beim Lebensmittel-Lieferanten Instacart haben Lieferfahrer die Arbeit vorübergehend nie­der­ge­legt. Bei diesen kommt erschwerend hinzu, dass sie formal nicht angestellt sind, sondern freiberuflich für das Unternehmen Aufträge er­le­di­gen. Sie fordern jetzt, dass ihnen Des­in­fek­tions­mit­tel und Schutzausrüstung gestellt und 5 Dollar Gefahrenzuschlag pro Tour gezahlt werden.

Anders gelagerte Streikaktionen gab es derweil beim Mischkonzern General Electric (GE). Hier protestierten Beschäftigte eines Werkes, das eigentlich Flugzeug-Triebwerke herstellt, gegen die Untätigkeit ihres Managements. Da aktuell der Flugbetrieb reduziert ist, werden weitaus weniger Ersatzteile und neue Triebwerke benötigt als üblich und die Leute in der Fabrik haben sogar eher wenig zu tun. Nun verlangen sie, dass die Fertigung kurzfristig auf dringend benötigte Beatmungsgeräte umgestellt wird. Diese ließen sich mit den Maschinen des Werkes herstellen und jedes zusätzliche Gerät kann bei den zu erwartenden Stei­ge­run­gen der Infektionsraten Menschenleben retten.

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