Spiele-Branche: Dem Pandemie-Boom wird die Ernüchterung folgen

Von Christian Kahle am 26.03.2020 09:51 Uhr
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Nach dem großen Boom könnte für die Gaming-Branche erst einmal eine Zeit der heftigen Depression folgen. Denn die Arbeit an neuen Titeln ist derzeit ungemein erschwert - auch wenn man annehmen könnte, dass Software-Entwicklung im Home-Office einfach sei.

Aktuell verzeichnen die Unternehmen der Spieleindustrie einen regelrechten Boom. Viele Men­schen sitzen aufgrund der Corona-Pandemie zu Hause und vertreiben sich die Zeit mit Spie­len. Die Geschäfte laufen besser, als es sonst im langsam beginnenden Frühling der Fall ist, was sich teils in steigenden Börsenkursen widerspiegelt, während andere Wertpapiere immer weiter absacken.

Steam: Nutzerrekord durch Corona
Steam verzeichnet durch die Corona-Krise einen Nutzerrekord

Aus Sicht einiger Insider täuscht dies aber lediglich über die Probleme hinweg, die sich in den letzten Wochen immer stärker zu erkennen geben. Das ist das Fazit eines Berichtes der Kol­le­gen von Bloomberg, die sich in der Branche umgehört haben. So sei damit zu rech­nen, dass eine Zeit folgen wird, in der die durchschnittliche Qualität der Neu­er­schei­nun­gen sinken wird - weil die Entwickler in der aktuellen Lage nicht auf gleichem Niveau arbeiten können und Top-Titel mit hohem Investitionsaufwand lieber verschoben werden.

Kooperationen werden schwerer

Grundsätzlich kann man natürlich in räumlich getrennt arbeitenden Teams Spiele pro­gram­mie­ren. Das macht aber nicht die ganze Sache aus. So verweist David Amador, der von Lissabon aus das Upfall Studio betreibt, auf die Tatsache, dass die direkte Kommunikation letztlich eben doch nicht zu schlagen ist, wenn es darauf an­kommt. Und insbesondere in dem hart um­kämpf­ten Gaming-Markt gehe es teils um Nu­an­cen bei der Spielequalität. Hier sei es ex­trem hilfreich, wenn man mit potenziellen Kun­den spre­chen kann, während sie ein kommendes Produkt in einer normalen Umgebung ausprobieren.

Andere aus der Branche verweisen auf Probleme, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. So haben gerade die kleinen Indy-Entwickler oft vor allem auf Branchenevents wie Messen die Möglichkeit, in Kontakt mit den großen Anbietern zu kommen. Nur vom Schreibtisch aus wäre es wesentlich schwieriger, beispielsweise in eine Plattform wie die Nintendo Switch hi­nein­zu­kom­men. Und viele Studios beschäftigen auch keine Heerscharen an Grafikern, sondern schickten bisher viele Arbeiten an Auftragsproduzenten, die auch in diesem Bereich in China sitzen - und von dort kommt nun schon seit Januar nichts mehr zurück.

Betroffen ist letztlich die ganze Branche, wobei die kleineren, oft innovativeren Spie­le­schmie­den, es besonders schwer haben werden. Es ist also keineswegs gesichert, dass trotz des aktuellen Booms nicht doch ein Punkt eintritt, an dem die Probleme deutlich hervortreten und so manchen Anbieter in die Knie zwingen.

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