Broadcom gibt Netflix die Schuld an miesen Chip-Verkäufen und klagt

Von Witold Pryjda am 16.03.2020 09:30 Uhr
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Der Halbleiter-Hersteller Broadcom liefert zwar Chips für ein ganze Reihe an Geräten, eines der mit Abstand wichtigsten Geschäfte ist aber jenes mit Set-Top-Boxen für das Kabelfernsehen. Doch dieses hat Netflix ruiniert, also reagiert Broadcom mit einer Patentklage.

Netflix ist schuld an "Cable Cutter"-Trend

In den USA war Kabelfernsehen bis vor kurzem ein riesiges Geschäftsfeld, wesentlich wich­ti­ger als sonst wo auf der Welt. Denn ein Zugang zu diesen Sendern war auch alles an­de­re als günstig, ein US-Haushalt bezahlt(e) 80 Dollar und mehr - wohlgemerkt pro Monat und nicht pro Jahr. Der Aufstieg von Netflix und Co. führte allerdings dazu, dass sich die bis­he­ri­gen Ka­bel­kun­den als so genannte "Cable Cutter" betätigten und den Kabelzugang kappten.

Davon hat auch Broadcom gut gelebt, da der Hersteller aus dem kalifornischen San Jose die Chips für die Empfangsboxen geliefert hat. Dieses Geschäft ist nun bereits vor einer Weile weg­ge­bro­chen, denn Kunden gehen lieber zu Netflix, Amazon, Disney+ und wie sie alle heißen.

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Broadcom bekommt deshalb zunehmend Probleme und das Unternehmen reagiert nun. Aber nicht etwa mit einer Strategieumkehr oder der Suche nach neuen Geschäftsfeldern, sondern mit einer Klage gegen Netflix. Wie das Hollywood-Branchenmedium Variety berichtet, wirft Broad­com dem Streaming-Anbieter vor, acht Patente zu Video-Wiedergabe und Da­ten­über­tra­gung verletzt zu haben.

In der Klage beschuldigt Broadcom Netflix, durch die Patentverletzungen das Cord Cutting begünstigt und dem Geschäft von Broadcom direkt geschadet zu haben. Der Chiphersteller hat das Streaming-Portal bereits im ver­gang­enen September auf die angebliche Patent­ver­le­tzung aufmerksam gemacht, doch Netflix hat das offenbar ignoriert.

Vermutlich aus gutem Grund: Denn die Klage riecht förmlich nach Verzweiflungstat. Und es ist auch fraglich, wie groß die Chancen auf Erfolg sind. Denn 2017 hat Broadcom eine vergleichbare Klage gegen Vizio und Sigma Designs auf den Weg gebracht, diese wurde aber von der zuständigen International Trade Commission abgeschmettert.
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