5G-Modems: Qualcomm hat Wettbewerbshüter schon wieder am Hals

Von Christian Kahle am 06.02.2020 10:16 Uhr
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Qualcomm hat es geschafft, das Geschäft mit 5G-Modems weitgehend an sich zu reißen. Und die Vermarktung in Verbindung mit den eigenen Smartphone-SoCs scheint eine lukrative Idee zu sein - die aber nun auch die Aufmerksamkeit der EU-Kommission erlangt.

Der Konzern hat gerade erst umfangreiche Kartelluntersuchungen hinter sich und musste aufgrund der unfairen Lizenz-Praktiken in seinem Patentgeschäft hohe Geldstrafen hin­neh­men. Und schon nehmen die Wettbewerbshüter in Brüssel den neuesten Geschäfts­bereich ins Visier: Die 5G-Modems, die Qualcomm in der nächsten Zeit in enorm schnell wachsenden Mengen an die Hersteller von Smartphones verkaufen wird, so ein Bericht der ITNews.

Als einer der wenigen wirtschaftlich potenten Konkurrenten ist Intel inzwischen aus der Ent­wick­lung von 5G-Modems ausgestiegen. Es gibt auch noch einige andere Anbieter, hier ist Broadcom aber noch der bekanntere, andere wie Skyworks Solutions oder Qorvo spielen eine eher untergeordnete Rolle. Insofern kann Qualcomm eine dominierende Rolle in dem Segment spielen, das gerade erst durchstartet.

Zwei Mal Marktbeherrschung

Die EU-Wettbewerbskommission hat daher be­reits Stellung­nahmen zur Ausgestaltung der Ge­schäfts­tätig­keit ange­for­dert, räumte das Qual­comm-Manage­ment in den aktuellen Pflicht­mit­tei­lun­gen an die Börsen­aufsicht ein. Dabei dürfte es vor allem um die Ver­qui­ckun­gen mit den eigenen, haus­eigenen Smart­phone-Prozes­soren gehen. Denn auch mit diesen hat das Un­ter­nehmen eine markt­beherrschende Stellung inne und es kann schnell passieren, dass Kon­kur­ren­ten bei 5G-Modems einfach aus dem Geschäft gedrängt werden, wenn Qualcomm die beiden Komponenten auf unfaire Weise miteinander verknüpft.

Insofern ist das Management durch die angeforderten Berichte durchaus gewarnt, dass sein Handeln genau beobachtet wird. Gegenüber den Anlegern führte man auch aus, dass Ver­let­zun­gen des Wettbewerbsrechts zu Strafzahlungen von bis zu 10 Prozent des Jahres­um­satzes führen können. Und angesichts der gerade erst abgeschlossenen Aus­einan­der­setzung ist auch kaum damit zu rechnen, dass die Wettbewerbshüter besondere Milde walten lassen könnten.

Siehe auch: Qualcomm: Wer 2020 ein Top-Smartphone kauft, bekommt immer 5G
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