Spielentwickler lädt selbst Torrent hoch, kann die Verkäufe steigern

Von Witold Pryjda am 14.01.2020 14:47 Uhr
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Publisher und Spiele-Studios unternehmen in der Regel alles, um illegale Kopien ihrer Titel zu unterbinden. Doch die Rechnung "Piraterie-Version" ist gleich entgangener Verkauf trifft nicht zwangsläufig zu, wie nun auch ein Indie-Entwickler beweist.

Piraterie ist für große Gaming-Anbieter sicherlich kein positives Phänomen, denn so mancher Kopierer denkt sich, dass er ein Spiel einfach so laden kann, weil EA, Activision und wie sie alle heißen ohnehin genug verdienen. Doch das Thema Piraterie ist in seiner Gesamtheit wesentlich komplizierter. Das zeigt nun auch ein Fall, über den das bekannte Filesharing-Blog TorrentFreak berichtet.

Denn der georgische Indie-Entwickler Shota "ShotX" Bobokhidze hat ein Experiment durchgeführt, das ein bemerkenswertes Ergebnis hervorgebracht hat: Denn Bobokhidze, der das Ein-Mann-Unternehmen ShotX Studio betreibt, hat Anfang Januar einen Roguelike-Shooter mit dem Titel Danger Gazers veröffentlicht. Das Spiel ist derzeit auf Steam für zehn Dollar bzw. rund acht Euro zu haben.

"Hier das Spiel, aber auch eine Bitte"

Bobokhidze kam dabei zur Ansicht, dass der durchschnittliche Gamer nicht genug Geld hat, um die immer größere Flut von Spielen finanziell bewältigen zu können. Also schuf er eine Special Edition, die sich explizit an die Piraterie-Community richtet.

Er lud Danger Gazers komplett und ohne Kopierschutz auf The Pirate Bay hoch. Dabei fügte er dem Upload lediglich eine Nachricht an, in der er sich als Entwickler des Spiels vorstellte und schrieb: "Das ist die aktuellste Version von Danger Gazers (1.1.0), die Sache hat keinen Haken, es gibt keine Features, die nur auf Steam verfügbar sind, es ist nur das vollständig funktionsfähige Spiel."

Er schrieb weiter, dass er sich freuen würde, wenn die Leute das Spiel auch kauften, wenn es ihnen gefällt oder das Projekt auf sonstige Weise unterstützen. Bobokhidze erläuterte gegenüber TorrentFreak seine Beweggründe und meinte, dass er selbst mit Piraterie aufgewachsen ist, da dies in Georgien vielfach die einzige Möglichkeit war, an aktuelle Spiele zu kommen.

Der Entwickler meint, dass das keine bewusst geplante PR-Kampagne war, da er davon überzeugt ist, dass Piraterie auch einen positiven Effekt haben kann, wenn es um einen Publicity geht. Und das klappte auch dank eines Posts auf Reddit: Bobokhidze sagte, dass die Reaktionen "unglaublich" waren und das Spiel auch eine signifikanten Umsatzschub bekommen habe, einige spendeten sogar das Doppelte des Kaufpreises.
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