So geht Social Media (nicht): Greta sitzt - Deutsche Bahn blamiert sich

Von Witold Pryjda am 16.12.2019 12:38 Uhr
Greta Thunberg polarisiert, das kann man auch von der Deutschen Bahn behaupten. Denn während die eine an die Zukunft denkt, denken andere bei der Bahn oftmals an die Vergangenheit, nämlich an "Der Zug sollte längst hier sein". Am Wochenende "trafen" die beiden aufeinander.

Wer am Wochenende oder Montagvormittag seinen bevorzugten Social-Media- oder Nachrichtenkanal eingeschaltet hat, der wird wahrscheinlich mitbekommen haben, dass derzeit ein Kampf der "Giganten" stattfindet. Denn Klimaaktivistin Greta Thunberg, die gerade auf der Rückreise nach Schweden ist, twitterte, dass sie in der Deutschen Bahn keinen Sitzplatz bekommen hat.

Was folgte, war vor allem eine Lektion in Social-Media-Arbeit und wie man sie nicht betreiben sollte. Denn die Bahn machte im Prinzip alles falsch, was falsch zu machen war. Denn Thunberg schrieb, dass sie gerade in "überfüllten Zügen" durch Deutschland reist und "endlich auf dem Weg nach Hause" ist. Das Bild dazu: Die Klimaaktivistin sitzt auf dem Boden neben ihrem Gepäck und blickt verträumt und/oder müde in Richtung Fenster.


Ja, aber!

Die Deutsche Bahn reagierte auf den Tweet, und zwar in mehreren Stufen: zunächst freundlich und entschuldigend, danach rechthaberisch und beleidigt. Denn zunächst wünschte die Bahn Greta Thunberg eine gute Heimfahrt und versprach "hart an mehr Zügen, Verbindungen und Sitzplätzen" zu arbeiten.

Wäre die Sache hier zu Ende gewesen, dann hätte auch kein Hahn weiter danach gekräht. Doch irgendjemand bei der Bahn kam auf die glorreiche Idee nachzutreten. Denn man schob weitere Tweets zu der Sache nach und meinte: "Noch schöner wäre es gewesen, wenn Du zusätzlich auch berichtet hättest, wie freundlich und kompetent Du von unserem Team an Deinem Sitzplatz in der Ersten Klasse betreut worden bist.", da sie später tatsächlich wieder einen Sitzplatz ergatterte.


Erste Klasse? Ja darf sie das denn?

Greta Thunberg reagierte in einer Antwort mit Unverständnis auf diesen schnippischen Tweet der Deutschen Bahn und teilte mit, dass das nicht als Kritik gemeint war. Wegen eines Zugausfalls seien ihre Begleiter und sie in zwei unterschiedlichen Zügen auf dem Boden gesessen, nach Göttingen gab es dann Sitzplätze (ab hier setzt die Deutsche Bahn an). Thunberg: "Das ist kein Problem und ich habe nie gesagt, dass es eins ist. Überfüllte Züge sind ein großartiges Zeichen, weil es bedeutet, dass die Nachfrage nach Zügen hoch ist."


Man kann von Greta Thunberg halten, was man will, Fakt ist jedoch auch, dass die Bahn hier - wie Arno Frank auf Spiegel Online treffend analysiert - alles falsch gemacht hat, was man in Sachen Social Media und Pressearbeit falsch machen kann.

Datenschutz? Welcher Datenschutz?

Denn die Bahn kennt u. a. ihre eigenen Fahrpläne nicht, verstößt gegen den Datenschutz, indem man personengebundene Fahrgastdaten wie das Reisen per Erster Klasse öffentlich gemacht hat und vor allem: Man lässt sich die Chance für kostenlose Werbung entgehen. Im Gegenteil: Man dreht das Ganze zu einer Blamage für sich selbst um.

Arno Frank dazu: "Wie kann man dieses Geschenk nicht nutzen? Wie kann man das verbocken?" Sein Fazit: "Wenn Greta Thunberg in der U-Bahn in einer Pfütze aus Erbrochenem ausgerutscht und in den Armen eines Junkies gelandet wäre, hätte das famose Social-Media-Team der BVG vermutlich selbst diese Vorlage noch verwandelt und daraus PR-Gold gemacht."

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