Netztest 2019: LTE-Geschwindigkeit bricht ein; Ausbau nur in Städten

Von Roland Quandt am 22.11.2019 16:05 Uhr
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Die Netze der deutschen Mobilfunkanbieter leiden zunehmend an steigen­den Datenmengen, so dass die durchschnittlichen Übertragungs­ra­ten im Jahr 2019 offenbar deutlich gesunken sind. Ländliche Regionen geraten außerdem zunehmend ins Hintertreffen, wie der Netztest einer Zeitschrift jetzt zeigt.

Die Zeitschrift ComputerBild hat auch in diesem Jahr wieder die Daten von fast 66.000 Freiwilligen ausgewertet, die regelmäßig die Geschwindigkeit und Qualität der Internetverbindung ihrer Smartphones und Tablets mit einer speziellen App prüfen ließen. Die Ergebnisse des sogenannten Netztests 2019 wurden jetzt veröffentlicht - und zeigen eine Reihe von Problemen, aber auch eine positive Entwicklung.

Durchschnittliche Geschwindigkeit sinkt rapide

Laut der ComputerBild ergab sich im Median über alle Messungen der freiwilligen Teilnehmer des Netztests ein deutlicher Rückgang der durchschnittlichen Übertragungsraten. Während es im 3G/UMTS-Netz relativ identische Werte im Vergleich zum Vorjahr gab, brach die Geschwindigkeit in den LTE-Netzen von Deutscher Telekom, Vodafone und O2 in diesem Jahr deutlich ein. Vor allem Telekom und Vodafone mussten Rückgänge verzeichnen.

So erreichte das Telekom-LTE-Netz in der Statistik nur noch eine durchschnittliche Downstream-Geschwindigkeit von 28,1 Megabit/s, nachdem es im Vorjahr noch 43,7 Megabit waren. Bei Vodafone waren es nur noch 21,1 Megabit pro Sekunde, nachdem im Vorjahr im Schnitt 36,4 MBit/s gemessen wurden. Bei Telefonica O2 ging es nicht ganz so stark abwärts: 20,5 MBit/s waren hier der Durchschnitt, wobei es im Vorjahr auch nur 26,5 MBit/s waren, die im statistischen Mittel über alle Messungen der Netztester gemessen wurden.

Kapazitäten halten nicht mit Datenmengen Schritt

Die Ursachen des Rückgangs der durchschnittlichen Übertragungsraten liegen wohl vor allem in einer Zunahme des Daten-Traffics auf dem Lande in Verbindung mit einem schleppenden Ausbau der Kapazitäten im ländlichen Raum. Während die Datenraten in den großen Städten brauchbare Werte erreichten, lagen sie bei Vodafone und Telekom auf dem Lande oft nur bei rund der Hälfte oder sogar darunter. Bei O2 war der Unterschied nicht ganz so groß - weil das O2-Netz weder auf dem Land, noch in der Stadt schnell war.

Die große Diskrepanz zwischen den Übertragungsraten in Städten und auf dem Lande ist wohl vor allem darauf zurückzuführen, dass die drei deutschen Netzbetreiber ihr Geld zu allererst dort investieren, wo viele Kunden sind - nämlich in den Städten. Gleichzeitig vernachlässigt man die ländlichen Regionen, so dass die Übertragungsraten wegen stärkerer Datennutzung bei stagnierenden Kapazitäten der Netze sinken.

LTE-Abdeckung nimmt insgesamt weiter zu; Provider schrumpfen 3G-Netze

In Sachen LTE-Abdeckung bietet sich unterdessen insgesamt ein positives Bild. Die Abdeckung hat zugenommen, so dass die Telekom mit 86,6 und Vodafone mit 77,3 Prozent auch auf dem Land eine recht gute Versorgung bieten können. Dennoch haben somit zumindest unter den Nutzern der Netztest-App fast ein Viertel der Vodafone-Kunden im ländlichen Raum und mehr als ein Drittel der O2-Nutzer keine LTE-Abdeckung.

In den Städten hat Vodafone mit 90,9 Prozent Abdeckung mittlerweile die Telekom mit ihren 89,4 Prozent Abdeckung per LTE hinter sich gelassen. O2 kommt in Städten auf 88,4 Prozent LTE-Abdeckung, schafft es aber auf dem Lande nur auf knapp 58 Prozent. Generell das Nachsehen haben vor allem jene Kunden, die noch immer per UMTS mobil surfen.

Die Telekom deckt nur noch 42 Prozent der ländlichen Regionen per 3G ab, während es bei O2 sogar noch weiter abwärts ging. Während dies bei O2-Kunden dank der Verfügbarkeit von LTE auch in den Prepaid- und Billig-Tarifen kein Problem ist, haben Nutzer der Wiederverkäufer von Telekom-Netzen somit auf dem Lande noch nichtmal per 3G mobiles Internet.

Insgesamt zeige sich im Netztest 2019, dass die Telekom mit einer Bewertung von 1,8 (Gut) wieder ans Sieger feststeht, während Vodafone mit einer Bewertung von 1,9 (Gut) knapp dahinter liegt. Der Billigheimer O2 schafft es mit 2,4 immerhin auf eine "gute" Bewertung und ist vor allem "fast auf Augenhöhe", heißt es. Dennoch hätten die Provider noch viel zu tun, um mit der steigenden Nachfrage für Datendienste mitzuhalten und zu verhindern, dass die Nutzer auf dem Land langfristig abgehängt werden, so das Fazit.

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