Admins in Rage: Google pfuscht heimlich an Chrome Stable-Builds herum

Von Roland Quandt am 15.11.2019 13:44 Uhr
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Google hat offenbar vielen IT-Administratoren in diversen Unternehmen in den letzten Tagen massive Kopfschmerzen beschert, weil man ohne Ankündigung bei den Stable-Builds von Chrome mit der Darstellung von Websites in bestimmten Umgebungen herumexperimentiert hat.

Das Entwickler-Teams des Internetkonzerns hat nach eigenen Angaben ohne Wissen der Nutzerschaft eine neue, experimentelle Funktion zur Darstellung der Oberfläche in den "Stable"-Versionen von Chrome aktiviert - und damit für Chaos in vielen Unternehmen bzw. IT-Abteilungen gesorgt. Anscheinend saßen hunderte Anwender in aller Welt plötzlich vor leeren bzw. einfach weißen Browser-Fenstern.

Das Problem betraf offenbar nur Anwender, die über Virtual-Machine-Umgebungen auf Chrome zugreifen, was natürlich fast ausschließlich bei Business-Anwendern der Fall ist. Diese bekamen häufig nur weiße Fenster angezeigt und konnten somit praktisch gar nicht auf diesem Weg auf den Browser zugreifen. Letztlich ließ sich daran auch nichts ändern, es sei denn die Admins der jeweiligen Firmen wurden aktiv.

Google pfuschte in Chrome herum, ohne dass die Nutzer es wussten

Bei den Unternehmen und ihren IT-Abteilungen sorgte Googles unangekündigtes Vorgehen natürlich für einige Aufregung, zumal die Anwender zunächst ahnungslos waren, was den Ursprung des Problems angeht. Mittlerweile hat sich Google laut The Verge aber zu dem Thema geäußert. Ein Entwickler aus dem Chrome-Team von Google erklärte, dass man eine als "WebContents Occlusion" bezeichnete Funktion auch in den Stable-Builds des Browsers aktiviert habe.

Diese experimentelle Flag sei in den Betas bereits seit rund fünf Monaten aktiv und sorgt dafür, dass Chrome Tabs immer dann in eine Art Ruhemodus versetzt werden, wenn sie von einer anderen Anwendungen verdeckt werden. Auf diesem Weg will Google eigentlich den Ressourcenbedarf von Chrome reduzieren, doch in Verbindung mit Citrix und anderen VM-Lösungen gab es damit offenbar das oben beschriebene Problem - die Tabs blieben einfach leer.

Feature wieder zurück gezogen

Google habe das Feature bereits seit rund einem Monat bei etwa einem Prozent der aktiven Nutzer der stabilen Versionen 77 und 78 von Chrome eingeschaltet, ohne dass dadurch Probleme auftraten, hieß es weiter. Deshalb hatte man jüngst entschieden, die Erprobung der neuen Funktion auf alle Nutzer auszudehnen - was dann aber unglücklicherweise doch zu Problemen führte. Gestern Abend zog Google die Änderung nach diversen Beschwerden dann wieder zurück.

Dass Google ohne irgendwelche öffentlichen Ankündigungen Veränderungen an den im produktiven Einsatz auch von zahlreichen großen Firmen genutzten Stable-Builds von Chrome vornehmen könne, war offenbar für zahlreiche Anwender und Administratoren eine Überraschung. In diversen Threads in Googles Support-Foren, dem Bug-Tracker sowie auf Twitter und Reddit häuften sich in den letzten rund 1,5 Tagen die Beschwerden von betroffenen Nutzern und Kunden.

Beim amerikanischen Metro-Pendant Costco hatte man offenbar eineinhalb Arbeitstage damit verbracht, die Ursachen des Problems zu ermitteln. Während dieser Zeit war das Call Center des Handelskonzerns anscheinend weitestgehen nicht in der Lage, mit den Kunden des Unternehmens zu interagieren.

Googles Team musste auch massive Kritik einstecken, weil man nach Meinung vieler Admins einfach zu lax mit dem Problem umging. Es sei unverantwortlich, hunderttausende Nutzer mit unangekündigten Experimenten zu Testkaninchen zu machen. Schließlich würden die Kunden professionelle Anwendungen für milliardenschwere Firmen betreiben, hieß es.
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