Bill Gates: Ohne Kartellprozess wäre heute Windows Mobile der Sieger

Von Christian Kahle am 07.11.2019 08:03 Uhr
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Microsoft-Mitbegründer Bill Gates ist fest davon überzeugt, dass nur eine sehr kurze Zeitspanne dafür sorgte, dass heute Android und nicht Windows Mobile auf Smartphones zu finden ist. Und Schuld daran sei auch der damalige Druck der Wettbewerbsbehörden.

"Wir waren mit einem Release nur drei Monate zu spät dran, sonst hätte Motorola es damals auf sein Telefon gepackt", sagte Gates auf einer Konferenz der New York Times mit Bezug auf die Droid-Modelle des Jahres 2009. Und der ganze Markt entwickle sich eben so, dass der Gewinner letztlich alles bekommt. "Also hat jetzt niemals jemand hier etwas von Windows Mobile gehört - naja, so in etwa", führte er aus.

Aus Sicht von Gates habe der eine Moment dann eine regelrechte Kettenreaktion ausgelöst. Motorola packte Android auf das fragliche Smartphone, der Mobilfunkbetreiber Verizon begann, diese in großem Stil zu vermarkten und die Plattform begann immer weiter zu wachsen. Wenn Microsoft zu dieser Zeit etwas schneller gewesen wäre, würden heute vielleicht fast alle Nutzer weltweit ein Windows Mobile-Gerät verwenden. "Das sind hier oder da ein paar hundert Milliarden Dollar", so Gates.

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Wir waren so kurz davor

Und die Verantwortung dafür, dass Microsoft das entscheidende Zeitfenster damals verpasste, trägt aus seiner Sicht nicht einmal das Redmonder Management. "Es steht außer Zweifel, dass das Kartellverfahren schlecht für Microsoft war und wir wären ohne es deutlich fokussierter an die Entwicklung des Smartphone-Betriebssystems herangegangen und anstelle von Android würdet ihr heute Windows Mobile verwenden", führte Gates weiter aus. "Wir waren so dicht dran, aber ich war so abgelenkt."

Ob es allerdings gereicht hätte, dass Gates, der zu dieser Zeit schon längst nicht mehr im Tagesgeschäft Microsofts die Fäden zog, den Kopf freier gehabt hätte, kann man durchaus hinterfragen. Denn es war keineswegs so, dass in Redmond irgendwer eine realistische Vision der kommenden Entwicklung gehabt hätte. Dem Management - allen voran Steve Ballmer - fehlte es nachweislich an der Überzeugung, dass Smartphones eben nicht als Mobiltelefone, sondern als kleine, kompakte Computer einen enormen Siegeszug antreten werden. Stattdessen wurden sie eher als Zubehör zum Windows-PC betrachtet und somit nie als Produkte erster Klasse wahrgenommen.

Siehe auch: Lumia 750: Prototyp zeigt nie erschienenes Windows 10-Smartphone
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