Hongkong: Druck auf Apple wächst, Cook kontert mit Unwahrheiten

Von Witold Pryjda am 11.10.2019 09:37 Uhr
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Der Umgang mit der Hongkonger Protestbewegung wird dieser Tage in der Technik-Welt immer mehr zum Thema. Namhafte Unternehmen wie Blizzard und Apple kommen in die Kritik, weil sie sich angeblich China anbiedern. Glücklich agieren beide nicht.

Der Spiele-Entwickler Blizzard ist seit Tagen unter schweren Beschuss von Fans und anderen Kritikern und zwar nachdem man einen bekannten Hearthstone-Profi drakonisch für eine Sympathiebekundung in Richtung der Hongkonger Proteste bestraft hat. Apple hingegen wird u. a. deshalb kritisiert, weil man eine App gelöscht hat, die die Demonstranten genutzt haben, um sich zu organisieren.

Bemerkenswert ist dabei, dass der kalifornische Konzern mit Argumenten hantiert, die man offenbar direkt von chinesischen Behörden bezieht und die von Experten bereits in wichtigen Punkten widerlegt worden sind. Offenbar gibt es auch intern viele Diskussionen zur Entfernung der HKmap.live genannten Anwendung.

Gruber: "Noch nie ein so wackeliges Apple-Statement gesehen"

Denn Apple-CEO Tim Cook hat nun in einer internen Mail versucht, das Vorgehen des Konzerns zu rechtfertigen. Doch damit machte Cook die Sache nur noch schlimmer, denn diverse Argumente sind schlichtweg falsch oder sogar bewusste oder unbewusste Unwahrheiten.

Es geht vor allem um den Punkt, dass HKmap.live "böswillig" eingesetzt worden sei, um "einzelne Polizeibeamte für Gewalt anzuvisieren", wie Cook schreibt. Der renommierte Apple-Experte John Gruber schreibt auf seinem Blog Daring Fireball unter Berufung auf den sich derzeit in Hongkong aufhaltenden Entwickler Maciej Ceglowski, dass er noch nie ein Apple-Memo oder -Statement gesehen habe, "das bei genauer Prüfung so schnell zerfällt wie dieses".

Denn Ceglowski erläutert, dass die Behauptung des gezielten Anvisierens einzelner Beamter "überhaupt keinen Sinn ergibt", da die App Standorte von individuellen Beamten gar nicht zeige. HKmap.live zeigt allenfalls "generelle Konzentrationen" von Polizeieinheiten und das auch noch mit einer signifikanten Zeitverzögerung. Ceglowski fragt auch, wo denn die Beweise seien, dass die App für solche Angriffe verwendet worden sei. Cooks Mail kann man übrigens auf Pastebin einsehen.

Siehe auch: Proteste in Hongkong - Apple buckelt erneut vor chinesischen Zensoren
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