Bill Gates: Ökonomen verstehen von Wirtschaft eigentlich nichts

Von Christian Kahle am 17.09.2019 11:17 Uhr
13 Kommentare
Microsoft-Günder Bill Gates ist auf Ökonomen nicht besonders gut zu sprechen. Er vertritt - durchaus nicht als einziger - die Auffassung, dass diese letztlich auch nicht mehr darüber wissen, was in der Wirtschaft passiert, als alle anderen Leute.

"Ökonomen verstehen die Makroökonomie leider nicht besonders gut", erklärte Gates in ei­nem Interview mit dem Quartz-Magazin. Denn die so genannten Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten sind letztlich keine wirkliche Wissenschaft, die auf Grundlage theoretischer Modelle recht gute Vorhersagen treffen kann. "Das ist nicht wie in der Physik, wo man von einer be­stimm­ten Aus­gangs­po­si­tion konkrete Ergebnisse prognostizieren kann", erklärte Gates.

Ökonomen schaffen es durchaus ganz passabel, betriebswirtschaftlich zu denken und eine Firma auf Kurs zu halten. Wenn es aber um größere wirtschaftliche Zusammenhänge geht, versagen sie schlicht. Und das hat damit zu tun, dass die konkreten volkswirtschaftlichen Entwicklungen von sehr vielen Faktoren abhängig sind, die sich unmöglich vollständig über­blicken lassen.

Netflix zeigt Doku-Special über das Leben und Schaffen von Bill Gates
videoplayer

Nichtmal 2008 ist erklärbar

Gates verwies darauf, dass selbst John Maynard Keynes, einer der berühmtesten Ökonomen al­ler Zeiten, darauf verwies, dass die von ihm so genannten "Animal Spirits" in jedem öko­no­mi­schen Modell eine genaue Vorhersage unmöglich machen. "Bis heute diskutieren die Leute da­rü­ber, was genau 2008 (dem Beginn der letzten großen Weltwirtschaftskrise, d.R.) passiert ist. Umso schwieriger ist es, den Blick nach vorn zu richten", führte Gates aus.

Der Microsoft-Gründer führte als konkretes Bei­spiel die aktuellen Negativ-Zinsen an, die es der­zeit in einigen Bereichen gibt. Er verwies auf seinen Freund Warren Buffett, der darauf hingewiesen hatte, dass diese in keinem einzigen Ökonomie-Lehrbuch zu finden sind. Ein aktuelles Beispiel in Deutschland, wie die Wirrungen der Ökonomen Einfluss auf die Politik haben, ist das stolze Beharren der Spitzenpolitiker auf der Schwarzen Null im Bun­des­haus­halt. Dies geht zurück auf eine Studie zweier Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler, nach der eine bestimmte Höhe der Staatsverschuldung un­wei­ger­lich in eine Rezession führe. Inzwischen ist aber längst klar, dass diese These sogar mit den von ihnen herangezogenen sehr beschränkten Daten schlicht nicht zu halten ist.

Siehe auch: Bill Gates : Mein größter Fehler? Ich habe Android zugelassen!
13 Kommentare lesen & antworten
whatsapp
Jede Woche neu: Top-News per E-Mail
Verwandte Themen
Bill Gates
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2020 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies