5G ist meist wie gutes 4G: Nutzer sollten Erwartungen zurückschrauben

Von Christian Kahle am 09.08.2019 10:31 Uhr
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Die Mobilfunkbranche ist seit Monaten damit beschäftigt, die Erwartungen in die kommenden 5G-Netze nach oben zu schrauben. Ein Netzbetreiber rudert im Marketing nun aber kräftig zurück und betont, dass sich die neue Technik in vielen Fällen nicht sonderlich von der Nutzungserfahrung in 4G-Infrastrukturen unterscheiden werde.

5G - Hohe Erwartungen, niedrige Zahlungsbereitschaft

Ja, 5G macht theoretisch sehr hohe Datenübertragungsraten möglich. Erreicht werden diese allerdings in den höheren Frequenzbereichen. Und diese stehen vor allem in den zentralen Bereichen der großen Städte zur Verfügung, wo ohnehin ein dichtes Netz an Mobilfunkzellen installiert wird. Denn die fraglichen Funkbänder haben eine recht begrenzte Reichweite und eignen sich schlicht nicht auf dem Land, wo eine Sendeanlage einen Umkreis von vielen Kilometern abdecken muss.

In den weit reichenden unteren Frequenzbereichen werde 5G hingegen ähnliche Bandbreiten ermöglichen wie ein gutes 4G-Netz, erklärte Ronan Dunne, Chef der Privatkundensparte beim US-Telekommunikationskonzern Verizon. Entsprechend sollten Nutzer auf dem Land auch nicht enttäuscht sein, wenn ihr Smartphone 4G statt 5G anzeigt.

Streit mit T-Mobile

Für die Äußerungen Dunnes gibt es dabei einen klaren Grund. Der aufstrebende Konkurrent T-Mobile hatte zuletzt immer wieder betont, dass man schnell ein landesweites 5G-Netz an den Start bringen werde. Und die Deutsche Telekom-Tochter behauptete, Verizon habe keine hinreichende Strategie für den Aufbau einer flächendeckenden 5G-Infrastruktur.

"Die Wahrheit ist aber, dass wir in verschiedenen Regionen sehr gute 4G-Dienste anbieten, wo unsere Konkurrenten das einfach nicht können", sagte Dunne. "Wenn sich also jemand so beeilt, einen landesweiten 5G-Ausbau zu stemmen, könnte das daran liegen, dass er keine brauchbare 4G-Abdeckung bieten kann."

5G-Mobilfunk ist durchaus in der Lage, Bandbreiten anzubieten, die weit im Gigabit-Bereich liegen. Dafür muss dann aber auf den Millimeter-Frequenzen gefunkt werden, die deutlich über 20 Gigahertz liegen. Die Reichweite dessen ist sehr begrenzt und wird vor allem im urbanen Raum zum Einsatz kommen. Wenig sinnvoll wäre es hingegen, irgendwo auf dem Land einen Mobilfunkmast so auszustatten, wenn die Nutzer dann nur ein Stück weiterlaufen müssen und keine Verbindung mehr auf dieser Frequenz bekommen.

Siehe auch: 5G machts nötig: "Wasserkühlung" in Smartphones wird zum Standard
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