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Weil es geht: Apollo-Navigationscomputer zu Bitcoin-Miner umgebaut

Von John Woll am 10.07.2019 18:43 Uhr
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In den 60er-Jahren zählte der Apollo-Navigationscomputer zur absoluten Spitze der Computertechnik. Jetzt wurde das 32 Kilogramm schwere Stück Computergeschichte von einem Sammler für eine neue Mission angepasst: Bitcoins schürfen. Dabei ging es aber lediglich darum, zu zeigen, was theoretisch möglich ist. Effektiv ist der Apollo-Miner nicht.

Nach dem Flug zum Mond darf der Apollo-Computer jetzt Bitcoins schürfen

32 kg schwer, seit 1961 im Einsatz, mit Erfahrung im Weltraumflug: Der Apollo Guidance Computer (AGC) gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten Erinnerungsstücken der frühen Computergeschichte. Nach seiner Mission war eines der eingesetzten Modelle in eine private Sammlung übergegangen und durfte jetzt bei einem außergewöhnlichen Bastelprojekt zeigen, dass noch sehr viel Leben in ihm steckt. Wie Golem berichtet, hat der Entwickler Ken Shirriff den Versuch unternommen, das System für Bitcoin-Mining einzusetzen - weil er es kann.

Apollo-Navigationscomputer ACG


Apollo-Navigationscomputer ACG

Wie Shirriff in seinem sehr ausführlichen Blogpost beschreibt, den Arstechnica analysiert, habe der ACG nach langer Vorbereitungszeit einen Sha-256-Hash-Wert in zehn Sekunden berechnen können. Was zunächst akzeptabel klingt, wird mit einem Vergleich vom Entwickler dann schnell in einen klaren Kontext gestellt: "Der Computer ist so langsam, dass es in etwa die milliardenfache Existenzzeit des Universums dauern würde, um erfolgreich einen Bitcoin-Block zu schürfen", so Shirriff.

50 Jahre Weiterentwicklung

Um überhaupt zu diesem Ergebnis zu kommen, musste der Profi-Bastler aber erst einige Hürden überwinden. Demnach war es nicht leicht, Bitcoin-Algorithmen für den Rechner in eine verständliche Form zu bringen. Der AGC arbeitet mit Instruktionen im 15-Bit-Format, bei modernen Systemen wie Mining-Asics werden 32 oder 64 Bit genutzt - die Operationen von Sha-256 werden mit 32-Bit realisiert. Shirriffs Lösung: Er spaltet den Algorithmus in einen 4-Bit-Teil und zwei 14-Bit-Teile, die eine Verarbeitung nacheinander möglich machen.

Auch der Speicher bereitete bei dem Projekt Probleme. Shirriff war darauf angewiesen, viele Speicherbefehle in Subroutinen selbst zu programmieren. Auch die verwendete Speichertechnik mit magnetisierten Ferritringen und die Gesamtgröße von 4 KByte waren Hürden, die überwunden werden mussten: "Mir war es möglich, alles in einer Speicherbank unterzubringen, indem ich 16 Worte für mehrere Zwecke verwendete", so Shirriff.
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