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Senf dazu: Alle gegen Netflix - und gemeinsam in den Untergang

Von Witold Pryjda am 10.07.2019 16:40 Uhr
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Netflix ist derzeit der Marktführer im Streaming-Geschäft, doch die Medienwelt will, dass sich das ändert. Es gibt kaum einen großen Medienkonzern, der sich derzeit nicht an einem eigenen Streaming-Angebot versucht. Nun wurde der nächste Herausforderer angekündigt: HBO Max.

Viele Jahre gab es von Piraten und Filesharern immer wieder zu hören, dass sie ja gerne auf illegale Kopien verzichten und auch zahlen würden, wenn es einen bezahlbaren Dienst für alle ihre Film- und Serien-Fälle gäbe. Netflix kam als Pionier des Streaming-Geschäfts dieser Idee ziemlich nahe, auch wenn das Portal natürlich auch nicht alles hatte. Dennoch: Mit seinem Lizenzangebot und seinen Eigenproduktionen kam Netflix der Sache am nächsten.

Der Nächste bitte

Doch inzwischen erlebt die Streaming-Branche eine Fragmentierung, wie es sie im Mediengeschäft in dieser Form noch nie gegeben hat: Denn praktisch alle großen Medienunternehmen haben mittlerweile ihr eigenes Portal vorgestellt. Das wohl Bekannteste ist Disney Plus, es soll im kommenden Herbst in den USA und wenig später dann auch in Europa starten.

Nun folgt eine weitere Größe bzw. der nächste bekannte Name: HBO Max. 2020 soll das Angebot starten, wie WarnerMedia heute bekannt gegeben hat. Aushängeschild sind natürlich die Angebote des Abo-Senders HBO, also Game of Thrones, dazu kommen Hits wie Friends (derzeit auf Netflix), The CW-Produktionen Arrow, The Flash und Riverdale und noch einige mehr. Natürlich wird auch HBO Max diverse Streaming-exklusive Produktionen im Angebot haben.

Netflix: Übersicht der neuen Serien und Filme im Juli 2019

Sniff, Kapitalismus dröhnt

Es ist ja verständlich, dass kein Konzern gerne mit einem anderen teilt, der Kapitalismus ist schließlich kein Wohlfahrtsverein. Aber man muss sich schon die Frage stellen, ob die Branche auch nur irgendwas aus der Geschichte des Internets gelernt hat. Denn alle träumen vom "nächsten Netflix" oder gar der medialen Weltherrschaft.

Und man möchte den Medienkonzernen förmlich zurufen: Aufwachen! Hört auf das Koks des Größenwahns zu schnupfen und schaut euch an, wer eure Kunden sind und warum Netflix (und auch Amazon Prime) so erfolgreich waren. Es geht um Legalität, die man sich leisten kann. Zehn oder zwanzig Euro im Monat bekommt auch ein Student oder eine Geringverdiener-Familie zusammen.

Aber wenn der Vater die neuen Folgen The Expanse (Amazon), die Mutter Friends (HBO Max), die Tochter Stranger Things (Netflix) und der Sohn die neue Star Wars-Serie (Disney+) sehen will und man sich dann vielleicht auch noch für Serien und Filme von Hulu, Apple TV Plus, YouTube TV und DC Universe interessiert, dann wird das womöglich zu einer kostspieligen Angelegenheit - die schon mal 40 oder 50 Dollar oder Euro im Monat verschlingen kann.

Piraterie? Welche Piraterie?

Der "Netflix-Effekt" hatte hingegen einen Effekt zur Folge: einen überraschend klaren Rückgang von Piraterie. Denn wozu sich durch Filesharing-Börsen kämpfen, dubiose Webseiten mit Sex- und Glückspiel-Werbe-Popups besuchen oder Torrent-Abmahnungen riskieren, wenn man auf Knopfdruck alles bekommen kann, was man für einen gemütlichen Abend oder ein Binge-Wochenende braucht.

Erst vor kurzem haben wir dazu auch konkrete Zahlen geliefert, die Marktforscher von Ampere Analysis haben herausgefunden, dass die Video-Piraterie seit einer Weile fast überall massiv zurückgeht. Schon damals warnten die Marktforscher, dass sich dieser für die Rechtebesitzer sehr erfreuliche Trend sehr schnell wieder ändern kann, nämlich wenn die Fragmentierung des legalen Geschäfts weitergeht.

Ampere Analysis: Video-Piraterie Q1 2017/2019

Ach, diese Piraterie!

Und angesichts der aktuellen Entwicklung kann man nur sagen: Die Branche ist auf dem "besten" Weg dahin. Es ist entsprechend zu erwarten, dass die Piraterie demnächst wieder massiv zulegen wird. Denn bald wird es vermutlich wieder heißen: Piraterie steigt massiv. Die Filesharer werden wieder sagen: "Ich würde ja gerne was zahlen, wenn es einen bezahlbaren Dienst für alle Inhalte gäbe." Das Ganze nennt man auch: Déjà-vu.

"Senf dazu" ist das Kommentarformat von WinFuture.de und die hier geäußerte Meinung repräsentiert nur jene des Autors und nicht der gesamten Redaktion.
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