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Streit um unabhängige iPhone-Reparatur: Apple klagt immer weiter

Von John Woll am 07.06.2019 20:21 Uhr
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Dass Apple unabhängige Reparaturen seiner Geräte ein Dorn im Auge sind, ist kein Geheimnis. In einem Fall hatte der Konzern im letzten Jahr gegen einen kleinen Reparaturshop aus Norwegen geklagt, weil der gefälschte iPhone-Displays bezogen habe - und verloren. Jetzt geht Apple in dem Fall in Berufung.

Apple will den unabhängigen Reparaturshop weiter zur Aufgabe zwingen

Abseits von Apple Stores und offiziellen Apple-Dienstleistern gibt es sehr viele unabhängige Reparatur-Angebote für Apple-Produkte, die sind dem Konzern aber ein Dorn im Auge. Im letzten Jahr hatte das Unternehmen deshalb Henrik Huseby, Besitzer eines kleinen Reparatur-Ladens in Norwegen verklagt. Der Vorwurf: Er habe gefälschte Apple Ersatzteile aus China bezogen. Huseby hatte argumentiert, dass die Ersatzteile nie als echte Apple-Produkte beworben wurden und auch keine entsprechende Kennzeichnung für Kunden sichtbar gewesen seien. Im April 2018 hatte ein Gericht dieser Argumentation zugestimmt und Apples Klage abgewiesen.

Apple iPhone XS auseinandergebaut

Wie Motherboard berichtet, hatte Apple aber Berufung gegen diese Entscheidung eingereicht, was dazu führte, dass sich das nächsthöhere norwegische Gericht in dieser Woche dem Fall erneut annahm. Der Schritt Apples, den Fall weiterzuverfolgen, ruft dabei eine ganze Reihe an Aktivisten auf den Plan, die für das Recht auf unabhängige Reparatur eintreten. "Es ist das ultimative David und Goliath", so Janet Gunter, Mitgründerin des britischen Restart Project, das sich für DIY-Reparaturen in Europa einsetzt. "Ich frage mich immer bei diesen großen Unternehmen - sehen sie, dass er damit mehr Sympathie sammeln wird, als sie", so Gunter weiter gegenüber Motherboard. "Es ist so, als würden sie uns unseren David auf dem Tablett servieren."

Ähnlich sieht es Kaja Juul Skarbø, Mitglied der Restarters Norway-Gruppe, die Reparatur-Events organisiert: "Wenn er verliert, würde das Gericht damit sagen, man darf keine aufbereiteten Bildschirme importieren und Apple stellt außerdem keine Original-Displays zur Verfügung (...). Die Konsequenz wäre, dass unabhängige Reparaturen nicht länger möglich sind", so Skarbø.

Apple testet das Wasser

Janet Gunter vermutet, dass Apple mit dem Vorgehen rechtlich "das Wasser testen" will. "Ich verstehe nicht, warum sie auf diesen Typen abzielen", so Gunter. Gelingt es dem Konzern, hier einen Sieg zu erzielen, könnten im nächsten Schritt Klagen gegen andere unabhängige Reparatur-Dienste folgen, so die Vermutung der Reparatur-Aktivistin. Schon jetzt habe die Klage Apples aber wegen "Kosten und Aufwand" einen abschreckenden Effekt auf die Reparatur-Szene.
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