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Bericht: Google hat Huawei die Android-Lizenz entzogen

Von Roland Quandt am 19.05.2019 21:36 Uhr
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In der Affäre um die angebliche Spionage im Auftrag der chinesischen Regierung durch den Telekommunikationsriesen Huawei kommt es für das Unternehmen jetzt richtig dicke. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, soll Google Huawei die Lizenz zur Verwendung von Android in der durch den Internetkonzern verbreiteten Variante entzogen haben.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Quellen, die mit der Situation vertraut sein sollen, berichtet, hat Google seine Geschäftsbeziehung zu Huawei bezüglich des "Transfers von Hardware- und Software-Produkten, abgesehen von denen, die von Open-Source-Lizenzen abgedeckt sind" vorläufig auf Eis gelegt. Angeblich hat Huawei ab sofort keinen Zugriff mehr auf Updates für das Android-Betriebssystem. Das würde bedeuten, dass alle bisher verkauften Huawei-Smartphones mit Android keine Sicherheits-Updates mehr erhalten würden.

Wichtige Updates zum Thema: Derzeit erreichen uns stetig immer mehr Details und offizielle Statements zum vorläufigen Entzug der Huawei-Android-Lizenz und der möglichen Beendigung der Zusammenarbeit seitens US-amerikanischen Unternehmen, die wir in folgenden Artikeln separat aufbereitet haben.



Wo es Huawei schwer hat und wo nicht

Keine Google-Apps mehr

Gleichzeitig schwindet für den chinesischen Konzern die Möglichkeit, bei künftig einzuführenden Smartphones die weit verbreiteten und viel genutzten Standard-Apps von Google auf dem üblichen Weg vorzuinstallieren. Dies betrifft sowohl den Google Play Store als auch Gmail und Google Maps sowie alle weiteren offiziellen Google-Apps, die von Milliarden Menschen in aller Welt auf ihren Android-Geräten verwendet werden.

Huawei behält weiterhin die Option, Android in der Version aus dem Android Open Source Project (AOSP) für seine Smartphones zu verwenden. Diese steht unter einer Open-Source-Lizenz und kann somit von jedermann frei verwendet werden, um sie auf seinen Endgeräten einzusetzen. Das Unternehmen verliert aber sämtliche technische Unterstützung seitens Google und kann angeblich nicht mehr mit dem Internetkonzern auf die bisher übliche Art und Weise zusammenarbeiten.

Vollkommen unklar, wie es aktuell weitergehen soll

Aktuell werden die Details dieser Entscheidung nach Angaben der Agentur noch bei Google und Huawei intern diskutiert. Bei Google in Mountain View soll es darum gehen, welche Dienste in welcher Form betroffen sind, so die Quellen des Berichts. Die Rechtsabteilung von Huawei untersucht ihrerseits, welche Auswirkungen die jüngst vom US-Handelsministerium verhängten Regelungen für das Unternehmen haben können. Beide Unternehmen äußerten sich bisher nicht.

Hintergrund der drastischen Entscheidung von Google, seine Geschäfte mit Huawei mit sofortiger Wirkung einzustellen, ist offenbar der von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump ausgerufene Notstand wegen angeblicher Gefährdung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Huawei steht daher mittlerweile auf der "Schwarzen Liste" der US-Regierung, die es US-Firmen untersagt, in irgendeiner Form Geschäfte mit der in China ansässigen Firma Huawei zu machen.

Massive Auswirkungen für Huawei und alle Kunden

Sollte Google tatsächlich das für die Anbieter von Android-Smartphones übliche Lizenzabkommen und seine anderen Verträge rund um das Betriebssystem und den Bezug der Standard-Apps gegenüber Huawei aufkündigen, hat dies schwerwiegende Folgen. Im Grunde hat Huawei dann praktisch den Status eines Anbieters von Custom-ROMs, wenn es um den Zugriff auf den Android-Code geht.

Der steile Aufstieg von Huawei

Üblicherweise ignoriert Google bei Custom-ROMs die rechtliche Grauzone, in der deren Anbieter die offiziellen Google-Apps verbreiten, um sie von ihren Nutzern separat nachinstallieren zu lassen. Im Fall von Huawei dürfte es dem Unternehmen allein schon aufgrund des Drucks aus der US-Regierung nicht möglich sein, eine separate Verbreitung der "GApps" durch Huawei zu tolerieren.

Für Huawei wäre der Wegfall des Zugriffs auf die Google-Apps nicht die einzige schwerwiegende Folge. Das Unternehmen kann künftig auch nicht mehr wie andere Hersteller einen Monat vor der Auslieferung auf den Code neuer Sicherheits-Updates für Android zugreifen, um diesen für die Auslieferung auf seinen Smartphones vorzubereiten. Außerdem würde Huawei auch nicht mehr die Möglichkeit haben, den Code von kommenden offiziellen Android-Ausgaben vorab zu erhalten.

Eine der Hauptfolgen ist aber, dass Google dem chinesischen Hersteller auch keinen offiziellen Zugriff auf die "Play Services" mehr geben darf. Diese sind grundlegende Voraussetzung für die Funktion einer riesigen Zahl von Apps, die dann schlichtweg nicht mehr wie bisher laufen werden. Obendrein ist fraglich, wie Huawei bereits verkaufte Geräte überhaupt mit neuen Android-Versionen versorgen soll, schließlich würde man auch nicht mehr die Möglichkeit haben, die entsprechenden Updates von Google zertifizieren zu lassen.

Erste Stellungnahme von Google gegenüber der Presse

Mittlerweile liegt eine erste (nichtssagende) Stellungnahme von Google vor. Gegenüber den Kollegen von Android Police erklärte der Internetkonzern: "We are complying with the order and reviewing the implications."

Auf Deutsch: Wir erfüllen die Order und prüfen die Auswirkungen. Mehr als diese zehn englischsprachigen Worte hatte Google offensichtlich noch nicht zu kommunizieren - in einer Situation, in der hunderte Millionen von Anwendern betroffen sind, von denen sich ein signifikanter Teil außerhalb der beiden in den seit Monaten andauernden Handelsstreit verwickelten Länder befinden dürfte. Unterdessen wollen sowohl Engadget als auch The Verge von ihren ebenfalls "mit der Situation vertrauten Quellen" unabhängig von einander eine Bestätigung für Googles drastische Maßnahme erhalten haben.

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