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Alibaba-Chef: 72-Stunden-Woche ist ein Segen für junge Mitarbeiter

Von Christian Kahle am 15.04.2019 10:21 Uhr
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Der Gründer des Online-Handelskonzerns Alibaba, Jack Ma, hat den enormen Arbeitsdruck und die ausufernde Überstunden-Kultur bei den chinesischen Technologie-Unternehmen verteidigt. Denn das sei eigentlich ein "großer Segen" für junge Beschäftigte und der Garant dafür, Teil eines erfolgreichen Unternehmens zu sein.

Die Branche steht aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen schon länger in der Kritik. Und das betrifft nicht nur die klassischen industriellen Fertiger wie Foxconn, bei denen Millionen Beschäftigte die Hardware für signifikante Teile des Weltmarktes zusammenbauen. Auch andere Jobs bei Internet-Firmen bringen kaum bessere Bedingungen mit - so gibt es quasi ungeschriebene Gesetze, nach denen enorme Mengen an Überstunden geleistet werden sollen, da das chinesische Arbeitsrecht 40-Stunden-Wochen als allgemeinen Standard festschreibt.

Ma hingegen hält den so genannten 996-Arbeitszyklus hoch. Dies beschreibt einen Arbeitstag von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends an 6 Tagen in der Woche. "Persönlich empfinde ich es als großen Segen, 996 zu arbeiten", erklärte der Alibaba-Chef laut einem Bericht von ITNews. In vielen Unternehmen hätte man nicht einmal die Möglichkeit, in solch einer Taktung zu arbeiten. "Und wenn ihr nicht 996 arbeitet, wenn ihr noch jung seid, wann könnt ihr das sonst noch tun?", so Ma.

Schönes Leben mit dem Job

Er reagierte damit auf eine lauter werdende Debatte um die Arbeitszeiten in der chinesischen Tech-Branche, die auch schon verschiedentlich zu öffentlichen Protestaktionen geführt hat. Der Alibaba-Gründer, ein ehemaliger Englisch-Lehrer, der mit seiner Handelsplattform zum Multimilliardär wurde, sieht in völliger Unterordnung des eigenen Lebens unter den Job hingegen die Voraussetzung, in einer Wettbewerbs-Gesellschaft mithalten zu können.

"Heute will jeder Erfolg, ein schönes Leben und Respekt", sagte Ma. "Aber da frage ich euch: Wenn ihr nicht mehr Zeit und Energie als andere aufwendet, wie wollt ihr den gewünschten Erfolg erreichen?" Wer sich nicht für sein Unternehmen aufopfert, landet aus seiner Sicht am Ende entweder in der Arbeitslosigkeit oder aber zumindest einer Firma, die dem Untergang entgegengeht.

Allerdings sind dies natürlich Argumente eines Mannes, dessen Reichtum darauf beruht, die Arbeitskraft seiner Beschäftigten maximal auszubeuten. Dass aber noch nicht einmal dies nötig ist, um erfolgreich zu sein, zeigen diverse neuere Forschungen, nach denen Angestellte letztlich mit zunehmender Arbeitszeit immer unproduktiver werden.

Siehe auch: Skandalöse Arbeitsbedingungen bei Amazon? Jeff Bezos widerspricht
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