Jetzt auch mobil Kommentieren!

Musikindustrie: Breitband-Tarife sind quasi Beihilfe zur Piraterie

Von Christian Kahle am 26.03.2019 09:58 Uhr
68 Kommentare
Dass die Musikindustrie sich und ihre Interessen weiterhin für den Nabel der Welt hält, zeigt sich nicht nur an der jüngsten Debatte um die Urheberrechts-Reform in der EU. Auch anderswo sieht die Branche alle anderen in der Pflicht, vor allem ihre Ansprüche durchzusetzen. Das zeigt eine Klage gegen den US-Provider Charter Communications.

Der Vorwurf besteht hier vor allem darin, dass die Major Labels Sony, Universal und Warner sowie diverse Tochtergesellschaften die Provider zwingen wollten, endlich einem von dessen Kunden den Internet-Zugang zu sperren, weil dieser mehrfach gegen das Urheberrecht verstoßen haben soll. Eine entsprechende Klage haben sie bei einem US-Bezirksgericht im US-Bundesstaat Colorado eingereicht und verlangen 150.000 Dollar Schadensersatz, berichtet das US-Magazin Ars Technica.

Abgesehen von der Frage der Rechtmäßigkeit der Forderungen werfen doch vor allem die Begründungen ein bezeichnendes Licht darauf, wie die Musikindustrie die Welt wahrnimmt. Demnach liegt die hauptsächliche Motivation, einen schnellen Internet-Anschluss überhaupt zu buchen darin, Musik und andere geschützte Inhalte möglichst effizient herunterladen zu können - insbesondere natürlich auch, ohne im Besitz einer gültigen Lizenz zu sein.

Musikindustrie greift YouTube an, erzählt aber nur die halbe Wahrheit

Umsatz mit Piraterie

Dem Provider will man nun einen Strick daraus drehen, dass dieser entsprechend ja quasi bewusst Kapital aus einer vermeintlich grassierenden Piraterie schlagen will, indem er schnellere Netzanbindungen, mit denen sich noch viel mehr illegale Downloads tätigen lassen, zu höheren Preisen anbietet. In Verbindung damit, dass der Netzbetreiber auch wenig dafür macht die Urheberrechtsansprüche Dritter durchzusetzen, würde er seine Umsätze so auf Grundlage gesetzwidriger Aktivitäten steigern.

Charter wird in der Klageschrift im Grunde böswillige Absicht unterstellt, weil das Unternehmen in anderen Bereichen ja sehr wohl in der Lage sei, unerwünschte Aktivitäten in seinem Netzwerk zu unterbinden. Als Beispiel hierfür wird die Blockade von IP-Adressen angeführt, die für den Versand von Spam genutzt werden.

Siehe auch: Wunder geschehn: Musikindustrie jammert nicht übers 2018-Geschäft
whatsapp
Jede Woche neu: Top-News per E-Mail
68 Kommentare lesen & antworten
Verwandte Themen
Filesharing
Hoch © 2000 - 2019 WinFuture Impressum Datenschutz