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Achtung, das ist eine Übung: Russland testweise für einen Tag offline

Von Christian Kahle am 11.02.2019 11:26 Uhr
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Russland will in Kürze den Ernstfall proben. Behörden und Provider werden an einem bisher nicht festgelegten Tag alle Verbindungen zum Internet kappen und so testen, welche Auswirkungen eine solche Situation hat. Gänzlich offline sind die User dann allerdings nicht, sie können aber eben nur auf Server zugreifen, die innerhalb des Landes stehen.

Die bevorstehende Übung geht auf kommende gesetzliche Regelungen zurück, die das russische Parlament im letzten Dezember auf den Weg gebracht hat. Die Provider werden darin angehalten, sicherzustellen, dass notfalls alle benötigten Dienste auch innerhalb des russischen Netzraumes zur Verfügung stehen, falls die Verbindungen in den Rest der Welt, beispielsweise im Kriegsfall, gekappt werden, berichtet ZDNet.

Für diesen Fall müssen alle technischen Voraussetzungen gegeben sein, um kurzfristig alle Datenverbindungen zu Netzknoten zu routen, die von der russischen Telekom-Aufsicht Roskomnadzor kontrolliert werden. Die Behörde soll ihrerseits dafür sorgen, dass sämtliche Verbindungen von russischen zu russischen Nutzern nur innerhalb des Landes geroutet werden und die Datenpakete nicht über ausländische Systeme laufen, wo sie im Zweifel abgefangen und ausgewertet werden können.

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Provider sind zwiegespalten

Der Tag der Übung wird sehr wahrscheinlich deutlich vor dem 1. April stattfinden. Denn nur bis dahin können noch Kommentare und Stellungnahmen an das Parlament geschickt werden, die vor einer endgültigen Verabschiedung der Regelung noch berücksichtigt werden sollen. Durchgeführt wird das Experiment von einer Arbeitsgruppe für IT-Sicherheit, der Natalya Kaspersky vorsteht, die Chefin der Sicherheitsfirma InfoWatch und Mitbegründerin von Kaspersky Lab. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehören auch die großen russischen Telekommunikationsanbieter MegaFon, Beeline, MTS und RosTelecom sowie andere.

Die Telekommunikationsunternehmen nehmen dabei eine schwankende Haltung ein. Auf der einen Seite begrüßten sie das Ansinnen des kommenden Gesetzes im Grundsatz. Andererseits sind sie allerdings mit den technischen Vorgaben nicht einverstanden, da sie massive Probleme befürchten. Der bevorstehende Test wird hier zur weiteren Klärung des Ist-Zustandes beitragen.

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