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Facebooks Pläne zur Super-Plattform: Rechtsverletzung mit Ansage

Von Verena Schulemann am 29.01.2019 12:43 Uhr
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Jetzt also doch: Facebook bringt die EU-Wächter in Sachen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auf den Plan. Die Ankündigung, den Facebook-Messenger mit den Plattformen WhatsApp und Instagram zusammenzulegen, sorgt in Europa für Aufruhr.

Zunächst war Schweigen im Walde, als die weltweit größte Social Media-Plattform letzte Woche bekannt gab, dass der Messenger des Mutterkonzerns mit ihren Töchtern WhatsApp und Instagram eine gemeinsame Chat-Plattform aufbauen will. Ein Start-Termin wurde noch nicht genannt, die New York Times, die die Pläne als erste veröffentlicht hatte, sprach von spätestens Anfang 2020.

EU-Gericht hatte bereits 2018 Zusammenlegung untersagt

Doch offensichtlich liegen auf dem Weg dorthin noch einige Steine. Momentan scheint es, als ließe sich die EU nicht weiter auf der Nase rumtanzen und sei bereit, die Pläne zu stoppen. Bereits 2018 hatte ein EU-Gericht den Plan einer Zusammenlegung der Zuckerberg-Dienste verhindert.

Im März 2018 befand der britische Information Commissioner (ICO), dass es gesetzeswidrig sei, einen 2016 ausgesetzten Plan zur Weitergabe personenbezogener Daten zwischen den beiden Diensten durchzuführen, um die gezielte Werbung auf Facebook zu verbessern.

2012, beim Kauf von Instagram, als auch 2014 bei der Übernahme von WhatsApp hatte Zuckerberg zugesagt, dass die sozialen Netzwerke eigenständig bleiben werden, die Nutzerdaten also nicht untereinander ausgetauscht würden. Nur unter dieser Bedingung genehmigte die EU-Kommission den Verkauf.

Doch offensichtlich will er nun nicht Wort halten. Das bringt nun den irischen Datenschutzbeauftragten (DPC), der die Handlungen von Facebook innerhalb der Europäischen Union reguliert, auf den Plan. Normalerweise eher zurückhaltend hat er nun deutliche Bedenken angekündigt. Das kalifornische Unternehmen hat seine Europavertretung in Irland. Die Datenschutzkommission hat um ein dringendes Treffen mit Facebook Irland gebeten, um die Pläne zu bewerten.

Facebook will mehr Metadaten

Der Guardian zitiert die irische Data Protection Commission (DPC): "Frühere Vorschläge zum Datenaustausch zwischen Facebook-Unternehmen haben zu erheblichen Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes geführt, und das irische DPC wird sich frühzeitig darum bemühen, dass alle diese Bedenken von Facebook bei der Weiterentwicklung dieses Vorschlags vollständig berücksichtigt werden. Es muss betont werden, dass die vorgeschlagene Integration in der EU letztlich nur erfolgen kann, wenn sie alle Anforderungen der DSGVO erfüllt."

Nach den Plänen des Zuckerberg-Konzerns sollen die drei Apps zwar weiterhin unabhängig voneinander funktionieren, doch in Zukunft ein gemeinsames Backend bekommen, das das Senden von Nachrichten zwischen Benutzern verschiedener Dienste ermöglicht. Mit seinen Plänen zur "Super-Plattform" könnte Facebook in Zukunft noch mehr über seine Kunden erfahren und Metadaten abgreifen, die auf dem Werbemarkt viel Geld wert sind. Der einzige positive Aspekt der Neuerungen ist die Ankündigung von Facebook, alle Messenger-Dienste mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auszurüsten. Das würde die Kommunikation von Milliarden Menschen immerhin sicherer machen.

Download Caprine - Facebook-Messenger für den Desktop Download WhatsApp für Android: APK-Version Siehe auch: Facebook, Whatsapp, Instagram: Bald alle mit einer Chat-Plattform
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