USA klagen Huawei wegen Wirtschaftsspionage & Finanzbetrug an

Von Roland Quandt am 28.01.2019 23:46 Uhr
30 Kommentare
Das US-Justizministerium hat soeben in 13 Fällen Anklage gegen den chinesischen Telekommunikationsgiganten Huawei und die Tochter des Firmengründers erhoben. Meng Wanzhou und das von ihrem Vater gegründete Unternehmen sollen in diversen Fällen Industriespionage, die Umgehung von Handelsembargos und dadurch letztlich auch eine Gefährdung der wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit der USA zu verantworten haben.

Wie diverse Vertreter der US-Regierung und ihrer Behörden vor versammelter Presse verlauten ließen, wirft man Huawei und in einigen Fällen auch Meng Wanzhou persönlich vor, Banken und Behörden bezüglich ihrer Aktivitäten im Iran und anderen Ländern mit falschen Aussagen getäuscht zu haben. Grundlage der Vorwürfe seien jahrelange Ermittlungen verschiedener Abteilungen des FBI, des US-Justizministeriums und des US-Wirtschaftsministeriums.

T-Mobile Roboter Tappy wird aus der Versenkung geholt

Außerdem soll Huawei geheime Informationen von US-Unternehmen wie der Telekom-Tochter T-Mobile US gestohlen haben, um sich einen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen. Das Unternehmen soll unter anderem Vorteile für Mitarbeiter ausgelobt haben, die Informationen von Konkurrenten beschaffen würden. Konkret wurde der bereits mit einer millionenschweren Schadenersatzzahlung beigelegte Fall des von T-Mobile USA entwickelten Roboters "Tappy" zitiert.


Dieser wurde von T-Mobile für Tests von Smartphones entwickelt und soll für Huawei so interessant gewesen sein, dass man bereits 2012 versuchte, unter dem Missbrauch des Vertrauens von T-Mobile und seinen Mitarbeitern an Informationen über den Roboter zu gelangen, um ihn letztlich in China nachzubauen. Angeblich wurde sogar versucht, Teile des Roboters zu stehlen. Dass ausgerechnet "Tappy" nun Teil der Anschuldigungen ist, überrascht insofern, als dass Huawei und T-Mobile sich bereits vor zwei Jahren im Rahmen einer Einigung darüber verständigt hatten, ihre Auseinandersetzung um den Roboter beizulegen.

Finanzchefin log angeblich bezüglich Verkauf von HP-Notebooks in den Iran

Für die Vertreter der US-Regierung hat Huawei unter anderem bezüglich der Einfuhr von HP-Notebooks in den Iran und die dadurch begangenen Verstöße gegen US-Sanktionen gegen den Iran durch eine Tochterfirma gelogen und sich damit strafbar gemacht. Dies wirft man auch der Finanzchefin des Konzerns Meng Wanzhou vor, die Ende 2018 überraschend im kanadischen Vancouver festgenommen wurde.

Huawei soll außerdem versucht haben, Mitarbeiter, die über bestimmte illegale Aktivitäten Bescheid wussten, wieder nach China zurückzuholen, nachdem man 2017 auf Ermittlungen der US-Behörden aufmerksam wurde. Dadurch seien die Behörden bei ihrer Arbeit behindert worden, wobei es auch hier wieder um mögliche Verstöße gegen US-Sanktionen gegen den Iran ging. Das FBI habe schlichtweg keine Möglichkeit mehr gehabt, die nach China verlegten Zeugen zu verhören.

Nach Angaben der US-Ermittler hat Huawei durch seine mutmaßlichen Lügen bezüglich der Aktivitäten im Iran, die Verwendung des US-Bankensystems für den Umgang mit Geldern aus diesen Aktivitäten und den Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen von US-Firmen die ökonomische Sicherheit der USA und daraus resultierend auch die nationale Sicherheit des Landes gefährdet. Huawei hat sich zu den neuen Vorwürfen bisher nicht geäußert.

Es ist außerdem weiter unklar, was mit der noch immer in Kanada unter Hausarrest stehenden Huawei-Finanzchefin geschieht, die gleichzeitig auch Tochter des Firmengründers ist. Die Verkündung der Anklagepunkte dürfte jedoch ein erster Schritt in Richtung einer Auslieferung an die USA sein.
whatsapp
Jede Woche neu: Top-News per E-Mail
30 Kommentare lesen & antworten
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2000 - 2019 WinFuture Impressum Datenschutz