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Stromüberschuss: Forscher planen Druckluftspeicher im Nordseegrund

Von John Woll am 23.01.2019 17:58 Uhr
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Der Anteil der erneuerbaren Energien im Stromsektor nimmt immer weiter zu, wegen der unsteten Ausbeute bei Wind und Solarenergie ist die saisonale Speicherung von Energie aber immer noch ein sehr großes Problem. Forscher haben jetzt ein Konzept entwickelt, das den Grund der Nordsee mit Druckluft zum Speicher für überschüssigen Strom macht.

Wohin mit dem Windstrom? Ab in den Meeresgrund

Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist der Anteil von erneuerbaren Energien im Stromsektor von 25,1 Prozent im Jahr 2013 bis 2017 auf 36 Prozent angewachsen. "Die Windenergie leistete den größten Beitrag zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien", so das Bundesamt. Dieser Trend hält laut den Fraunhofer Energy Charts weiter an. Ein Problem ist, dass die Ausbeute der Windanlagen dabei vom Wetter abhängig ist und stark schwankt. Kann das Netz zu Spitzenzeiten den Strom nicht mehr aufnehmen, müssen Speicherlösungen her - oder der Strom muss ins Ausland abgeführt werden. Genau hier setzt ein neues Konzept an, das die Speicherung von überschüssigem Strom aus Offshore-Windanlagen in der Nordsee direkt vor Ort vorsieht.

Erneuerbare Energien: Anteil in Deutschland

Wie Scinexx in seinem Bericht schreibt, hat ein Team rund um den Wissenschaftler Julien Mouli-Castillo von der University of Edinburgh nach einer Lösung Ausschau gehalten, die eine Speicherung von Strom in Druckluftspeichern "klimafreundlicher und in größerem Maßstab nutzbar" macht. Wie Mouli-Castillo im Fachmagazin Nature ausführt, könnte die Lösung hier sozusagen direkt unter den Füßen von Offshore-Windanlagen liegen. Demnach bietet der Meeresgrund der Nordsee dank porösem, salzwassergefülltem Sandstein in vielen Gebieten ideale Voraussetzungen für natürliche Druckluftspeicher.

"Diese Methode würde es möglich machen, im Sommer produzierte Energie aus erneuerbaren Quellen für die kalten Wintermonate zu speichern", so das Konzept des Teams. Wie die Wissenschaftler ausführen, habe man alleine vor der britischen Küste ausgedehnte Gebiete am Meeresgrund der südlichen und zentralen Nordsee ausgemacht, die "ein Speicher­potenzial von 77 bis 96 Terawattstunden" bieten - genug, um für ganz Großbritannien eine Stromversorgung für zwei Wintermonate zu gewährleisten.

Die Kosten sind der Haken

Aktuell hat die Idee der Forscher aber noch einen entscheidenden Haken: die Kosten. Nach deren Berechnungen sind für den Aufbau der Infrastruktur - beispielsweise das tausendfache Bohren von Zugangspunkten in das Gestein - für diese Form der Stromspeicherung Kosten von 0,42 bis 4,71 US-Dollar pro Kilowattstunde zu erwarten. Bei herkömmlicher Druckluftspeicherung oder Alternativen wie Wasserpumpspeichern liegen diese noch deutlich niedriger. Weitere Forschung und Prozessoptimierung könnte die Idee aber wirtschaftlich machen, sind sich Mouli-Castillo und seine Kollegen sicher.

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