Immer verschlüsselt: Verfassungsschutz jammert über 5G-Sicherheit

Von John Woll am 28.12.2018 12:55 Uhr
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Gespräche über 5G Netze können generell mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor Zugriffen Dritter geschützt werden. Das veranlasst den Verfassungsschutz, jetzt Alarm zu schlagen: Man müsse "technische Lösungen" einbauen, die einen Zugriff für Sicherheitsbehörden möglich machen, um die innere Sicherheit nicht zu gefährden.

Der Verfassungsschutz stört sich daran, dass 5G sicher vor Zugriffen ist

Der Verfassungsschutz meldet laute Bedenken im Bezug auf den neuen Mobilfunkstandard 5G an. Wie der Hamburger Verfassungsschutzchef Torsten Voß ausführt, stört sich die Sicherheitsbehörde an der Tatsache, dass die Zugriffsmöglichkeiten im Vergleich mit aktueller Technik deutlich beschränkt werden. Während aktuell nur bestimmte Anwendungen dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung abhörsicher gemacht werden können, ist dies bei Gesprächen in 5G-Netzen standardmäßig gegeben. Voß gesteht ein "für den Datenschutz ist das gut", betont aber mit Nachdruck: "Für Sicherheitsbehörden, die für den Schutz der Menschen in unserem Land verantwortlich sind, ist 5G ein enormes Problem."

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Die Einführung von 5G sei aus diesem Grund auch in seiner Behörde aktuell ein ganz wichtiges Thema. "Alle reden davon und erhoffen sich natürlich auch wirtschaftliche Vorteile. Aber es ist nicht nur ein wirtschaftliches Thema, sondern auch eine riesige Herausforderung für die Sicherheitsbehörden", sagte Voß, der den für den Verfassungsschutz zuständigen Arbeitskreis 4 der Innenministerkonferenz leitet, der Deutschen Presse-Agentur (via heise).

Zugriff soll her

Die Lösung die Voß und seinen Kollegen vorschwebt: Man müsse vor dem Aufbau der Netze und in den entsprechenden Geräten dafür sorgen, dass eine "technische Zugriffsmöglichkeit" integriert werde, die es Sicherheitsbehörden bei "begründeten Anlässen wie zum Beispiel Terrorverdacht" möglich machen soll, Telefongespräche abzuhören. Allerdings hat Voß selbst wenig Hoffnung, dass sein Wunsch auf Gehör stößt: "Ich befürchte, dass starke kommerzielle und wirtschaftliche Interessen einer solchen technischen Lösung entgegenstehen."

Der Verfassungsschutz müsse aus diesem Grund in Zukunft vermutlich vermehrt auf die Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) setzten, bei der Trojaner auf Handys Gespräche vor der Verschlüsselung abgreifen: "Da wir mit 5G ansonsten kaum mehr an die Kommunikation von Extremisten und Terrorverdächtigen herankommen", so Voß. Werde der Verfassungsschutz nicht entsprechend ermächtigt, würde die Behörde in ihrer "Überwachungsmöglichkeit stark eingeschränkt".

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