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Schulprojekte der Tech-Größen bringen nichts - außer Schüler-Protesten

Von Christian Kahle am 28.12.2018 11:45 Uhr
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Die großen Tech-Konzerne engagieren sich immer wieder gern öffentlichkeitswirksam für die Bildung von Kindern und Jugendlichen. Auch nach mehreren Jahren gibt es noch keine Belege, dass die Bildung der Heranwachsenden sich tatsächlich verbessert. Teilweise protestieren Schüler sogar schon gegen die vermeintlich fortschrittlichen Methoden.

So geschehen beispielsweise in New York, wo verschiedene Schulen inzwischen mit dem von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seiner Frau Priscilla Chan bereitgestellten "Summit Learning" arbeiten. Dabei handelt es sich um eine Sammlung webbasierter Kurse in verschiedenen Fächern. Kürzlich streikten Schüler jedoch gegen die Weiterführung des Programms, weil sie es als langweilig und belastend empfanden, täglich fünf Stunden in der Schule auf einen Monitor zu starren und dort den Stoff vorgesetzt zu bekommen - nahezu ohne Interaktion mit Lehrern und Mitschülern.

Das ist sicherlich ein Extremfall, doch auch viele andere Initiativen sind nicht so förderlich, wie sie teils dargestellt werden, wie aus einem Bericht des US-Magazins National Review hervorgeht. So lassen sich die Top-Manager von Apple, Microsoft oder Google auch gern von der Presse begleiten, wenn sie wieder einmal High Tech-Klassenräume einweihen, in denen jeder Schüler ein Tablet nutzen kann. Wenn allerdings nach belegbaren positiven Ergebnissen der Ausstattung gefragt wird, sind die Firmen eher zugeknöpft.

Werbung und Daten abgreifen

Sicherlich ist es durchaus gerechtfertigt, zu verlangen, dass Schulen den Heranwachsenden heutzutage auch technische Grundlagen vermitteln. Beim Engagement der großen Tech-Konzerne entsteht aber immer wieder der Eindruck, es würde in erster Linie darum gehen, Nutzer im möglichst jungen Alter mit ihrer jeweiligen Plattform vertraut zu machen und sie dann längerfristig als Kunden zu binden. Zuweilen kommt dann natürlich noch die Erfassung und Analyse des Nutzungsverhaltens hinzu.

Ratsam wäre hier wohl, dass die jeweiligen Schulbehörden nur noch technische Neuerungen einkaufen, bei denen der Anbieter zumindest einen unabhängigen Nachweis bereitstellen kann, dass diese mit ihrem Konzept tatsächlich einen Vorteil bieten. Entsprechende Untersuchungen sind für Summit Learning und andere Bildungsprojekte der IT-Branche bisher allerdings nicht zu finden.
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