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Relay-Methode: Ordentliche Halter neuer Autos sind einfach zu beklauen

Von Christian Kahle am 06.12.2018 13:41 Uhr
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Die alte Regel, nach der eine gesteigerte Bequemlichkeit eine geringere Sicherheit zur Folge hat, bestätigt sich einmal mehr. Verschiedene Polizeibehörden verbuchen seit einiger Zeit mehr erfolgreiche Auto-Diebstähle und der Zuwachs rührt in erster Linie von den neuesten Modellen, die mit neuen Zugangssystemen ausgestattet sind.

Relay-Theft

Vor wenigen Jahrzehnten lösten Funk-Systeme das altbekannte Schlüssel-Prinzip ab. Fahrzeuge ließen sich so zumindest schon aus einigen Metern Entfernung auf Knopfdruck öffnen. Und mit der Zeit wurden die Authentifizierungen dann auch besser verschlüsselt, so dass sie nicht mehr problemlos geklont werden konnten. Inzwischen werden teils aber auch Zugangssysteme angeboten, bei denen der Besitzer nicht einmal mehr einen Knopf drücken muss - es genügt die Annäherung, um das Fahrzeug zu entriegeln und teils sogar den Motor freizugeben.

Das machen sich die Diebe zunutze. Sie brauchen dafür nicht einmal die Signale des Schlüssels auf ein alternatives System zu kopieren - was angesichts der modernen Sicherungsverfahren wohl nur den wenigsten gelingen dürfte. Stattdessen wird die räumliche Nähe durch eine geschickte Relay-Verbindung simuliert, berichtet der kanadische Sender CBC.


Relay-Theft in Aktion


Ordnung macht angreifbar

Das funktioniert tendenziell bei ordentlichen Menschen besonders gut: Diese kommen nämlich in der Regel nach Hause und hängen ihre Schlüssel an ihren Platz neben der Eingangstür, so dass diese beim Verlassen des Hauses direkt griffbereit sind. Hier reicht es den Angreifern, eine Relay-Station dicht an die Haustür zu halten, das Gegenstück befindet sich direkt am Auto. Für die Zugangstechnik im Fahrzeug wirkt das nun so, als wäre der Schlüssel direkt an der Autotür - und es erfolgt die Entriegelung. So bekommen die Diebe nicht nur Zugang zum Fahrzeug, sondern können oft genug sogar direkt losfahren.

Im kanadischen Toronto ist die Zahl der Autodiebstähle durch die Verfügbarkeit dieses Verfahrens in diesem Jahr bereits um rund 30 Prozent gestiegen. Einige Autohäuser liefern Neuwagen deshalb schon nur noch mit integrierten GPS-Trackern aus. Auch in anderen Regionen sieht es nicht viel besser aus. Schutz vor den Angriffen besteht nur, wenn das Feature entweder deaktiviert wird - oder der Autoschlüssel sich noch in der Tasche einer Hose befindet, die abends auf dem Weg ins Bett in irgendeiner Ecke landete, die weit von der Haustür entfernt ist.

Siehe auch: BMW geklaut: Hersteller sperrt Dieb per Internet im Auto ein
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